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Weserfloß 2016

 

Die Flößerei ist

 
Last Update:

15.05.2022 00:06
 

Autor: Webmaster

 

 

 

 

 

 

 

 

  Berichte

 

Von Jupp Rapp - 12.05.2022

Was ist inzwischen passiert?

Corona hat unseren Verein wie die meisten anderen Vereine auch empfindlich getroffen.
Das betrifft besonders den Ausfall des Deutschen Flößertages bei uns an der Weser. Aber auch die ganz normalen Dinge des Beisammenseins, der Pflege der Geselligkeit, die kleinen internen Veranstaltungen und die Teilnahme an externen Ereignissen sind praktisch zum Erliegen gekommen.
Jetzt muss wieder Leben in die Gruppe der Weserflößer kommen, das Kleinfloß „Treibgut“ will wieder aufs Wasser und die wöchentlichen Zusammenkünfte an der Weser finden wieder statt.
 

 

Was gibt es zu berichten?
 

Der nächste Deutsche Flößertag
Der 33. Deutsche Flößertag wird vom 13. bis zum 16. Oktober 2022 in München stattfinden.
Der Flößer-Kulturverein München-Thalkirchen e.V. als Veranstalter hat uns dazu eingeladen und ein anspruchsvolles, interessantes Programm geschickt.
Nach zwei Jahren Pause wartet die Flößerszene gespannt auf dieses Treffen an der Isar. Uns ist die Örtlichkeit gut bekannt. Hier enden die bekannten Isarflöße aus Wolfratshausen. So war es auch, als wir dort beim Flößertag auf diesen Touristenflößen hautnah erleben konnten, dass eine dortige Floßfahrt immer noch ein Abenteuer ist. Nun halten wir alle die Luft an, dass Corona nicht erneut einen Strich durch die Planungen macht.

 


Immaterielles Weltkulturerbe
Die Flößerei hat es 2014 geschafft, in die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen zu werden. Der Weg dahin war nicht ganz einfach und konnte nur durch den großen Einsatz einiger Protagonisten der deutschen Flößerszene geschafft werden. Umso größer war die Freude. Und wie die anderen Traditionen und Gewerke auch, haben wir uns alle sehr darüber gefreut.
Jetzt steht die Aufnahme der Flößerei in die Weltliste der UNESCO an. Die Entscheidung soll Ende 2022 fallen.

 

Um das Anliegen noch einmal in die Öffentlichkeit zu bringen, bauten die Männer vom Schiltacher Flößerverein e.V. im Schwarzwald ein kleines Floß und fuhren damit aus dem Raum Rastatt bis nach Leverkusen den Rhein hinunter. Diese 360 km lange Floßreise dauerte vom 20. bis zum 30. April 2022.

 

Die Flößer aus Schiltach auf dem Rhein bei Königswinter
Foto: Norbert Kessel
 

 

Kartoffelaktion
Hierüber haben sich die Flößer mit ihren Familien sehr gefreut und möchten deshalb unbedingt über diese gelungene Aktion berichten.
Heike und Michael Dettmar aus Vaake hatten die Idee, hinter ihrem Haus am Weserufer gemeinsam mit möglichst vielen Kindern einen Kartoffelacker anzulegen und das Geschehen dort über die Saison hin zu begleiten. Eine wunderbare Sache, die dann auch noch bestens gelungen ist.
46 Kinder trafen sich dort und machten begeistert mit. Alles war perfekt vorbereitet. Die Kinder packten mit an, lösten Quizaufgaben, fragten den Erwachsenen Löcher in den Bauch und erlebten die Natur zum Anfassen. Und da das Wetter auch noch mitspielte, wurde es für alle, die dabei waren, ein tolles Erlebnis.
Wir werden den Fortgang des Projekts in den nächsten Wochen verfolgen und danken den Dettmars ganz, ganz herzlich.

 

 

 

Kartoffelaktion am Weserufer
Fotos: Eckhard Meyer

 

 

Von Jupp Rapp - 12.12.2021

Der Tod gehört zum Leben
 

Eine griffige Formulierung, die einem so leicht von den Lippen geht und
die man schon oft benutzt hat. Häufig möchte man damit von dem Leid ablenken, den der Verlust eines Menschen für den Lebenspartner, die Familie, die Belegschaft eines Betriebs aber auch die Mitglieder eines Vereins auslöst.


Das hört sich dann anders an, wenn der Verstorbene kurz vor seinem
100. Geburtstag stand und ein erfülltes Leben hinter sich hatte. In einem solchen Fall fällt es eher leicht, zu kondolieren. Meistens liegen die Verhältnisse aber anders.


Aber was hat das mit einem Verein zu tun, speziell den Weserflößern Reinhardshagen?


Wir sind ein noch recht junger Verein, ein kleiner Verein, vielleicht sogar der kleinste Verein im Ort. Und wir haben keine passiven Mitglieder. Das sieht weder die Satzung vor, noch lässt es sich im aktiven Vereinsleben praktizieren.
Jeder gehört in Augenhöhe dazu, packt mit an, kann an allen Veranstaltungen teilnehmen und wird im Laufe des Jahres bei unterschiedlichsten Dingen eingesetzt.
Die speziellen Kenntnisse und die Lebenserfahrung jedes Einzelnen sind das Kapital unserer Vereinsarbeit.
Und natürlich freuen sich alle Mitglieder, wenn bei den regelmäßigen Treffen möglichst viele Flößerfreunde am Tisch versammelt sind.
Das schweißt zusammen, man kennt keine Tabus und kommt sich persönlich
näher als auf einer Zuschauertribüne.


Und wenn dann ein Flößerfreund aus unserer Mitte gerissen wird, trifft das uns alle, macht uns betroffen und rückt im Vereinsgeschehen in den Vordergrund.
Ebenso ist es selbstverständlich, dass diese Person nicht aus unserem Bewusstsein verschwindet, förmlich weiterhin neben uns sitzt und im Gespräch bleibt.

Jeder verstorbene Flößerfreund hinterlässt eine spürbare Lücke innerhalb des Vereins. Das spürt man nicht nur im geselligen Teil des Vereinslebens sondern besonders bei den Aufgaben, die wir uns stellen und die häufig eine große Kraftanstrengung bedeuten.


Dazu zählen besonders die Floßprojekte der vergangenen Jahre und nun die
Ausrichtung des Deutschen Flößertags in Reinhardshagen. Das sollte 2020
und dann 2021 erfolgen. Corona machte uns aber einen Strich durch die Rechnung.
Bei solchen Projekten zahlt es sich aus, wenn unsere Mitglieder im Ort und in der Region gut vernetzt sind und sich einfallsreich wie zupackend an die Arbeit machen.
 

Drei Flößerfreunde dieses Kalibers haben wir in den letzten Jahren verloren. Ein herber Verlust für die Angehörigen aber auch für uns Flößerfreunde. Deshalb möchten wir noch einmal an diese Flößerkameraden, die vorbildlich unsere Ziele verfolgt haben und in der Bevölkerung hoch anerkannt waren, an dieser Stelle erinnern.

Peter Klesper aus Vaake. Er starb im Juli 2018, als er als ehemaliger
„Gelber Engel“ des ADAC seinen Ruhestand antreten wollte. Er kam mit
seiner Monika aus dem Rheinland als „Wanderungsgewinn“ zu uns. Die Weser
hatte den passionierten Kanuten angezogen. Sehr schnell integrierten
sich Peter und Monika innerhalb der Dorfgemeinschaft, „Paddel Peter“
wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem Begriff. Das Wasser war sein
Revier. Zahlreiche Wassersportfreunde aus NRW kamen als Gäste in das
frühere Hotel Weserland. Er hatte noch so viele Pläne. Aber daraus wurde
nichts mehr.

Thomas Hiddersen aus Gieselwerder. Er verließ uns im Juli 2020. Beruflich war die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung seine Heimat. Nicht nur auf der Weser kannte er sich bestens aus. Ihm waren auch die Vorschriften für die Bundeswasserstraßen vertraut, kannte Hinz und Kunz in diesem Metier und wusste, wie man die Hürden in der Branche überspringen konnte. Und er verfügte über alle Patente, die man auch als Floßführer vorweisen muss. Für uns ein unbezahlbarer Vorteil. Die Rolle als „Kapitän“ war ihm förmlich auf den Laib geschneidert. Er verschaffte sich Respekt und fand unter uns Flößern neue Freunde.

Hans Joachim Schlicker aus Vaake. Er starb am 28. November diesen Jahres. Auch sein Tod ist ein großer persönlicher Verlust für uns Flößerfreunde. Er war ein wichtiges Bindeglied innerhalb des Vereins und konnte durch seine unzähligen Kontakte die Türen zu anderen Organisationen und Personen öffnen. Niemand schlug ihm die Tür vor der Nase zu. Seine stets positive Ausstrahlung ließ die Funken überspringen, Gräben überwinden und Probleme verschwinden. Das spürten wir nicht nur im Dorf sondern auch bei den Floßfahrten zwischen Hann. Münden und Bremen.

Alle Drei passten so wunderbar in unsere Vereinsphilosophie, fanden einen Platz in unseren Reihen und hinterlassen spürbare Lücken.

Vielleicht ist es gerade jetzt in dieser spätherbstlichen Zeit der richtige Moment, sich auch über diese Seite des Vereinslebens ein paar Gedanken zu machen.
 

 

 

 

 

Hans-Joachim Schlicker
(1952-2021)

Immer positiv, immer zur Stelle, immer hilfsbereit,
 immer mit Ideen und Lösungen versehen.

Lieber Hannes, wir Flößerfreunde sind tief betroffen
und werden Dich nie vergessen!

Bernd, Claus, Dieter L., Dieter S., Fred, Eckhard, Hansi,
 Heinz, Jürgen, Jupp, Karl-Heinz, Kurt, Martin,
 Oliver, Ralph, Stefan, Sven, Ulrich, Volker und Wolfgang
 

 

 
Reinhardshagen, im November 2021
 

Von Jupp Rapp - 15.11.2021

Corona hat uns fest im Griff

Es ist schon bezeichnend für das, was dem deutschen Vereinsleben in den Jahren 2020 und 2021 widerfahren ist und angesichts dessen man sich immer aufs Neue fragt, wie lange wir davon noch betroffen sein werden.
Es ist bezeichnend, dass wir unsere Jahreshauptversammlung 2021 erst am
29. Oktober abgehalten haben, bei der es um das Vereinsjahr 2020 ging.
Eckhard Meyer als Vereinsvorsitzender eröffnete diesen Abend und begann mit einer Gedenkminute für unseren verstorbenen Floßführer und engagierten Flößerfreund Thomas Hiddersen aus Gieselwerder. Sein Schicksal hatte uns alle tief getroffen.
Ebenso erinnerte er an den Tod von Gerhard Krüger aus Bad Oeynhausen, der uns seit dem Weserfloß 1992 sehr eng verbunden war und der von der Oberweser fasziniert immer wieder in Reinhardshagen auftauchte, einen intensiven Kontakt zu uns pflegte und stets zur Stelle war, wenn wir seine Hilfe brauchten. Bei seiner Beisetzung im Ruheforst Bückeburg haben wir seine Verdienste gewürdigt.
Bei Eckhard Meyers Jahresbericht standen die Coronaauswirkungen im Vordergrund.
Wir alle hatten uns auf die Ausrichtung des 33. Deutschen Flößertages in Reinhardshagen im Sommer 2020 gefreut. Das hätte ein echter Knaller werden können, eine bundesweite Werbung für den Reinhardswald, die Oberweser und Reinhardshagen und ein Dankeschön an die zahlreichen Flößerfreunde aus der ganzen Republik für die Gastfreundschaft, die wir bei ihnen genießen durften.
Das Programm stand, die Kontakte waren geknüpft, die Unterstützer wussten Bescheid, das Floßholz lag bereit.
Aber es gab keinen anderen Weg. Die Veranstaltung musste abgesagt werden.
Das gleiche Schicksal ereilte uns dann in diesem Jahr. Auch 2021 gab es keinen Deutschen Flößertag.
Aber auch bei den örtlichen Vereinsaktivitäten bestimmte die Pandemie den Takt.
Keine wöchentlichen Treffen mehr, kein Anflößern und ein Abflößern ohne unser Kleinfloß. Stattdessen eine Waldwanderung vom Staufenberg zur Bramastatue an der Weser.
Aber dieses Schicksal trifft ja nicht nur uns allein. Welche u. U. katastrophalen Auswirkungen Corona auf das Vereinsleben in unserem Land haben wird, lässt sich erahnen.
Und wie wird es bei uns weitergehen?
Der nächste Deutsche Flößertag soll im Jahr 2022 in München stattfinden.
Der Flößer-Kulturverein München-Thalkirchen e. V., mit dem wir bei der Absprache wegen der Termine 2020 und 2021 sehr kameradschaftlich, freundschaftlich zusammengearbeitet haben, wird diese Veranstaltung an der Isar ausrichten.
Wir kennen deren Arbeitsraum von der Floßfahrt beim Flößertag in Wolfratshausen sehr gut. Dort beenden die Flöße von der Loisach und Isar ihre Fahrt. Dort ist richtig was los. Hier werden in Blitzesschnelle die einlaufenden Touristenflöße auseinandergebaut, auf die LKW verladen und wieder nach Wolfratshausen gebracht.
Und dann sind wir im Jahr 2023 an der Reihe.

Der Vorstand der Deutschen Flößerei-Vereinigung e. V. legt großen Wert darauf, dieses Fest an der Oberweser zu veranstalten und, das haben wir als Resonanz im Jahr 2020 gespürt, möchten sehr viele Flößerfreunde aus dem Schwarzwald, vom Alpenrand, aus Franken, Brandenburg und Niedersachsen zu uns kommen.
Wann das sein und wie das Fest ausgestaltet wird, werden wir Anfang 2022 regeln müssen.

Das war die Botschaft von Eckhard Meyer für das nächste Flößerjahr.

 

Von Jupp Rapp - 09.08.2021

Bundesverdienstkreuz für Hans-Walter Keweloh

Wir kennen ihn seit 1992, als in Veckerhagen das Floß für die Einweihung des
Flößerdenkmals an der Werremündung in Bad Oeynhausen gebaut und dann
weserabwärts bis zum Zielort gefahren worden ist.
Auch damals kam er gemeinsam mit seiner Frau Dr. Nicola Borger-Keweloh nach
Reinhardshagen und seitdem verbindet uns Weserflößer mit diesem
leistungsstarken Gespann eine immer innigere Freundschaft. Leute wie sie
trifft man nicht jeden Tag. Deshalb haben wir uns über die Meldung aus
Bremen gefreut, dass Hans-Walter Keweloh vom Bürgermeister Dr. Andreas
Bovenschulte das Bundesverdienstkreuz überreicht bekommen hat. Sofort haben
wir ihm herzlich gratuliert.
Der gebürtige Rheinländer wurde als eifriger Netzwerker, Museumsmensch mit
Leib und Seele und zupackender Flößer beschrieben. Da schließen wir uns an.
Wer ihn bei einer Führung durch das Deutsche Schifffahrtsmuseum in
Bremerhaven erleben durfte, bei dem er 1979 seine Arbeit aufgenommen hatte
und das er dann später bis zu seiner Pensionierung geleitet hat, spürte
sofort, dass ihn die Schifffahrt voll und ganz gepackt hatte.
Dadurch kam er auch zur Flößerei. Und hier hinterlässt er ganz tiefe Spuren.
Im Anschluss an die Floßfahrt 1992 wurde in Höxter die Deutsche Flößerei-
Vereinigung e. V. gegründet. Der Aufschwung dieser Organisation, deren
erfolgreiches Wirken und schließlich die Aufnahme der Flößerei in die Liste
des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission wären ohne den
unermüdlichen Einsatz des Gespanns „Keweloh“ nicht möglich gewesen.
Hans-Walter und Nicola haben dem jungen Verein eine innere Struktur gegeben,
unglaublich viel Sacharbeit in Wort und Schrift geleistet und immer wieder
Anstöße gegeben, die bundesweit gewirkt haben. Das hat uns alle beflügelt
und mitgerissen. Sie waren überall und immer zur Stelle, wenn sie gebraucht
wurden.
Ihr Wissensschatz zur Flößerei ist riesengroß. Allein das Wörterbuch der
Flößerei, das nun in der dritten Auflage vorliegt, ist von den Kewelohs
geprägt worden.
Das Bundesverdienstkreuz hat er, oder besser gesagt, haben beide Kewelohs
verdient. Wir gratulieren noch einmal ganz herzlich!

Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an Hans-Walter Keweloh (Mitte)
durch den Bremer Bürgermeister
Dr. Andreas Bovenschulte (links)
und Stadtverordnetenvorsteher
Torsten von Haaren.
 

 


Foto: Senatspressestelle Bremen.

 

 

Von Jupp Rapp - 29.04.2021

Deutscher Flößertag und Floßbau in Reinhardshagen erneut abgesagt!

Die Mitglieder der Weserflößer Reinhardshagen e. V. haben es sich nicht leicht gemacht, mussten jetzt aber auch 2021 die Notbremse ziehen.

Für die 1992 in Höxter gegründete Deutsche Flößerei-Vereinigung e. V. ist der jährliche Deutsche Flößertag der Höhepunkt des Jahres.
Für ein paar Tage treffen sich die zahlreichen Männer und Frauen aus ganz Deutschland irgendwo an einem Ort mit historischem Flößerhintergrund, tauschen Erfahrungen aus, informieren sich über fachliche Themen, pflegen ihre freundschaftlichen Bindungen und lernen die Kostbarkeiten einer Region kennen. Dazu wird vom örtlichen Flößerverein ein attraktives Programm zusammengestellt, das am und auf dem Wasser, im Saal und bei Exkursionen viel zu bieten hat. Die Geselligkeit kommt dabei auch nicht zu kurz.

Wir von der Oberweser hatten uns riesig gefreut, als wir 2018 den Zuschlag für die Ausrichtung des 33. Deutschen Flößertages im Sommer 2020 erhielten. Damit wäre diese Veranstaltung erstmals nach Hessen gekommen. Aus allen Floßregionen hörten wir, dass unsere Kameraden von dort sich neugierig auf einen Besuch der Landschaft an der Oberweser freuten. Wir machten uns an die Arbeit, stellten wichtige Programmpunkte zusammen und legten uns richtig ins Zeug.

Dann zogen die dunklen Corona-Wolken am Himmel auf. Wir gerieten enorm unter Druck, die Lage wurde ernst. In Absprache mit dem Vorstand der deutschen Flößerei-Vereinigung e. V. wurde die geplante Veranstaltung abgesagt.

Für das Jahr 2021 war vereinbart, dass der Flößertag in München stattfinden sollte. Die dortigen Flößer stimmten aber zu, dass unser Flößertag um ein Jahr nach 2021 verschoben werden sollte. Eine großzügige Geste, für die wir uns herzlich bedankt haben.

Also gingen wir noch einmal ans Werk, besorgten das notwendige Holz für die vorgesehene Floßfahrt nach Minden, die in Verbindung mit dem Flößertag stattfinden sollte, knüpften erneut Kontakte. Als Termin war die Zeit vom 26. bis zum 29. August 2021 vorgesehen.

Aber Corona war nicht vom Tisch. Im Gegenteil, die Sorgen ließen uns nicht los.

Wie sicher konnten wir planen? Wie ist es mit der Organisation der Unterkünfte, mit der Gestaltung des Rahmenprogramms?
Wird eine größere Saalveranstaltung möglich sein, können wir Busexkursionen anbieten, kann es Livemusik geben, was ist im Gelände möglich, wie kommen wir zu einem belastbaren Hygienekonzept?
Ist ein Floßbau vor Publikum möglich, können wir bei einer Floßfahrt etappenweise Gäste mitnehmen und werden an den Anlegestationen entlang der Weser kleine Feste möglich sein? Fragen über Fragen.

Gleichzeitig beobachteten wir aufmerksam die Pandemieentwicklung und die Diskussionen über ähnliche Veranstaltungen im ganzen Land.
Für uns tickte die Uhr immer lauter. Wir mussten eine Entscheidung treffen. Die ist inzwischen gefallen.

Wir sagen hiermit in Abstimmung mit der Deutschen Flößerei-Vereinigung den 33. Deutschen Flößertag im Jahr 2021 ab, sind darüber sehr traurig und bitten um Verständnis für diese Entscheidung.

 
Deutsche Flößerei-Vereinigung e. V.
Vorsitzender Martin Spreng
72213 Altensteig
www.floesserei-vereinigung.de
Weserflößer Reinhardshagen e. V.
Vorsitzender Eckhard Meyer
34359 Reinhardshagen
www.weserfloesser.de

 

 

 

 


Unser Flößerfreund

Thomas Hiddersen
(1960 - 2020)

hat uns für immer verlassen.

Seine Welt war das Wasser, die Weser, der Wasserbau,
die Schiffe und die Flößerei.

Wir werden ihn nicht vergessen.

 

 

 

Reinhardshagen, im Juli 2020
 

Von Jupp Rapp - 26.07.2020

Ein trauriger Verlust!

 

Eigentlich wollten wir alle gemeinsam mit den Flößerfreunden aus dem ganzen Land am Samstag, den 25. Juli 2020, in Reinhardshagen den 33. Deutschen Flößertag
feiern. Und am Tag danach sollte ein Weserfloß von Reinhardshagen aus auf die Reise nach Minden geschickt werden. Aber bevor wir uns an die Arbeit für die
Endphase der Vorbereitung machen konnten, machte Corona all das zunichte.
Stattdessen versammelten wir uns an diesem Tag an der Friedhofskapelle in Gieselwerder, um unserem Flößerfreund Thomas Hiddersen, der kurz vor seinem 60. Geburtstag von uns gegangen ist, die letzte Ehre zu erweisen.

Er war unser Floßführer und hat uns immer sicher auf der Weser sogar bis nach Bremen gefahren. Sein Erfahrungsschatz, seine Ortskenntnis und seine enge Bindung an die Weser waren einmalig und für uns von besonderer Bedeutung.
Nach einem langen Martyrium durch lebensbedrohliche Krankheitsbilder, das wir mit Besorgnis beobachteten, fand sein Leben ein Ende.

Eckhard Meyer schilderte bei der Würdigung seiner Person der Trauergemeinde, wie wir uns 2003 gefunden hatten und konnte aus dem großen Schatz gemeinsamer
Erlebnisse die Außergewöhnlichkeit der Bindung von Thomas Hiddersen an das Wasser, die Oberweser und seine Begeisterung für den Wasserbau vermitteln.

Und dann wurde es schon fast symbolhaft. Als Claus Schellenberger die Urne aus der Trauerhalle trug, kreisten zwei Schwarzstörche lang andauernd über dem
Friedhof.

Besuch aus Winsen an der Aller
Als wir uns nach der Beisetzung zu einem besinnlichen Gespräch an der Flößerstube in Veckerhagen zusammensetzten, wurden wir schnell in die aktuellen
Geschehnisse der Flößerei zurückgeholt. Unerwartet tauchten dort vier Radfahrer auf und stellten sich als Flößerfreunde aus Winsen an der Aller vor. Auch diese Gruppe ist Mitglied in der Deutschen Flößerei-Vereinigung e. V. Eigentlich hatten sie an unserer großen Veranstaltung teilnehmen wollen. Nun haben sie reagiert und sich spontan auf die Reise nach Reinhardshagen gemacht.

Es gab viel zu erzählen. Erfahrungsaustausch ist auch unter Flößern wichtig. So werden sie auf jeden Fall im nächsten Jahr mit einer größeren Mannschaft
anreisen, wenn dann hoffentlich ohne Komplikationen der nächste Flößertag stattfinden kann.

Und hier noch einige Impressionen mit Thomas Hiddersen:

 


Auf dem Floß 2016

 


Auf dem Floß 2016



Besuch bei der Schüttenhoff Marine in Bodenfelde.
 


Mindener Fischerstadt 2016

 

Von Jupp Rapp - 02.07.2020

Mehr als die Hälfte des Floßholzes ist da

 

Eigentlich sollte das Floßholz aus den Wäldern Niedersachsens und Hessens jetzt im Juli in Veckerhagen zusammengebaut und dann auf die Reise nach Minden geschickt werden. Leider wird daraus aus den bekannten Gründen nichts.
Aber auf das Holz wollen wir trotzdem nicht verzichten. Also fuhr Werner Wenzel mit seinem Kopiloten und schwerem Gerät in die niedersächsische Revierförsterei Mollenfelde und holte zwei Fuhren, etwa 70 Festmeter, Fichtenholz über die Weser nach Reinhardshagen. Bernd Kröhnert und Eckhard Meyer leisteten ihm dabei Gesellschaft.
Zusätzlich luden sie auch noch acht Festmeter Holz dazu, mit denen die Schwarz-wälder Kollegen ein Kleinfloß für den Nachwuchs bauen wollen.
Es handelt sich um Stämme, die vom Borkenkäfer befallen waren. Das ist für die Flößerei ohne Belang. Das Holz wird dadurch nicht entwertet.
Wie es mit dem Floßbau in Reinhardshagen dann weitergeht, müssen wir in den nächsten Wochen entscheiden.


Ein Teil des Holzes auf dem Lagerplatz      Auf die Wenzel-Mannschaft ist Verlass

Fotos: Weserflößer Reinhardshagen

 

Von Jupp Rapp - 25.06.2020

Auch auf der Isar ist Schluss?

 

Bernd Kröhnert hatte die Meldung im Internet entdeckt. Auch die traditionsreichen Flößereibetriebe auf Isar und Loisach haben ihren Fahrplan für 2020 gestrichen.
Im Jahr 2017 hatten wir beim Deutschen Flößertag in Wolfratshausen die Floßmeister und Flößer persönlich kennengelernt, durften mit ihnen auf der Isar bis nach München eine der weltbekannten Floßfahrten erleben und konnten hinter die Kulissen dieser Touristenattraktion blicken.
Wir konnten sehen, mit welchem Einsatz die Burschen an die Arbeit gingen, abends bis in die Dunkelheit hinein die Flöße zusammenbanden und für den nächsten Tag vorbereiteten. Am kommenden Morgen wurden in Blitzesschnelle die Aufbauten für die Bewirtung und die Musik installiert und dann ging es pünktlich zur Sache. Gekonnt routiniert und erfahren lenkten sie die Flöße durch die Gewässer und nahmen die spektakulären Rutschen mit Bravour. Der Funke dieses Abenteuers sprang auf die Gäste über. Die Stimmung war bestens. Und als wir nachmittags in München das Ziel erreichten, ging es sofort weiter. Ruck zuck war der Langholztransporter zur Stelle, lösten fleißige Hände die Verbindungen und bevor wir alle wieder im Reisebus saßen, der uns nach Wolfratshausen zurückbringen sollte, war das Floß schon wieder auf dem LKW.
Wir erlebten einen unglaublichen Einsatz dieser Flößer, vor dem man nur den Hut ziehen konnte.
Mag mancher von uns vorher noch über diese Tourismusflößerei gelächelt haben, war das anschließend bestimmt anders.
Und durch die zahlreichen Gespräche mit den Floßanbietern und den motivierten Mitmachern vertiefte sich dieser Eindruck. Einige kannten die Oberweser, hatten sogar schon in Reinhardshagen übernachtet und wären im Juli wohl zu uns gekommen.

 

Von Jupp Rapp - 12.06.2020

Fahrplan des Kaiser Wilhelm

 

Viele Mitbürger hatten sich auf die Fahrten des Kaiser Wilhelm Dampfers gefreut, den Fahrplan 2020 studiert und einen Termin für den eigenen Fotomoment notiert. Zahlreiche Leute hatten auch schon Karten für eine Mitfahrt bestellt. Und auch wir Weserflößer hatten uns mit dem Fahrplan beschäftigt, um die Fahrt nach Hann. Münden mit unserem Floßbau im Juli zu verbinden bzw. um ein Zusammentreffen mit diesem Prunkstück auf unserer Floßfahrt nach Minden abzustimmen.
Daraus wird nun nichts. Die Betreibergesellschaft hat erst einmal alle Aktivitäten bis zum 30. Juni 2020 abgesagt.


 

Der Kaiser Wilhelm

(Foto: Privat - Archiv Weserflößer Reinhardshagen e. V.)
 

Von Jupp Rapp - 12.06.2020

Ausstellung in Langwedel
 

Zu den Flößerfreunden in Langwedel an der Aller im Kreis Verden bestehen seit Jahren beste Kontakte. Die wunderschönen Erlebnisse beim Anlegen unseres Floßes im Jahr 2008 sind noch in bester Erinnerung.
Deshalb war es selbstverständlich, dass wir die Bitte um Unterstützung des Langwedeler Kulturvereins e. V. positiv beantwortet hatten, die wir für die Ausstellung “Schifffahrt auf Aller und Weser im Flecken Langwedel“ erhielten.
Sofort haben wir Ausstellungsstücke, Fotos und Texte angeboten und uns auf die Eröffnung am 26. Juni 2020 gefreut. Aber auch daraus wird nichts. Wie nicht anders zu erwarten, wurde diese Veranstaltung endgültig abgesagt. Allerdings haben wir uns darauf verständigt, dass die gute Zusammenarbeit über Corona hinaus weiter gepflegt wird.
 

Von Jupp Rapp - 12.06.2020

Schwarzwaldflößer

 

Thomas Kipp, der Motor der Flößerei im Schwarzwald, gibt nicht auf. Er wäre so gern mit seinen Zunftkollegen zum Flößertag zu uns gekommen. Und wie gern hätte er unter Beteiligung der jungen Generation hier in bewährter Form ein Kleinstfloß gebaut. Er hakt nach und wird versuchen, je nach der Rechtslage, im Sommer doch noch zu uns zu kommen und hier etwas für das Floßwesen zu tun.


 

Die Schwarzwaldflößer bei der Arbeit

(Foto: Privat - Archiv Weserflößer Reinhardshagen e. V.)
 

Von Jupp Rapp - 19.05.2020

Schade, das hätte gepasst!
 

Unser traditionelles Anflößern am Himmelfahrtstag mit unserem Tonnenfloß „Treibgut“ findet nicht statt. Unter diesen Umständen leiden natürlich auch die Freundschaftsfahrten mit dem Kleinfloß auf der Weser, die vorläufig nicht stattfinden können.


 

Aber die Folgen der Corona-Auflagen reichen in weite Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens. Dazu zählt das Urlaubsverhalten unserer Mitbürger und das der Nachbarn im europäischen Ausland.
Die Zeiten des hemmungslosen Reisens rund um unseren Globus werden erst einmal vorbei sein. Wir werden uns auf ein verändertes Reisen und auf eine andere Palette attraktiver Reiseziele einzustellen haben. Wie lange das dauern wird, kann niemand vorhersagen.
Aber eine Sache ist sicher, die Ziele innerhalb Deutschlands werden dabei gewinnen. Egal ob Berge, Strand, Wälder, Kulturschätze oder bemerkenswerte Städte, all das wird touristisch gesehen einen Aufschwung erleben.
Das Weserbergland bekommt dabei eine große Chance. Die drei Waldgebirge Solling, Bramwald und Reinhardswald mit dem Lauf der Weser könnten eine wichtige Rolle übernehmen. Die Substanz ist riesengroß, die Inhalte aus Geschichte und Kultur füllen dicke Bücher.
Das haben wir auf unseren Floßfahrten von hier bis nach Minden bzw. Bremen immer wieder erlebt.

 


 

Die Begeisterung der Gäste und Zuschauer unserer Veranstaltungen entstand immer aus der Faszination für die Flößerei und die Kombination mit der herrlichen Umgebung, in der wir uns bewegen durften.
Darauf haben wir auch in fünfstelliger Auflage in unseren Begleitbroschüren aufmerksam gemacht, die bundesweit gestreut worden sind. Da waren wir Botschafter für die Region.
Und das sollte auch im Jahr 2020 so sein. Das Konzept lag ja bereits auf dem Tisch. Und der Kontakt zu den Organisatoren des „Blauen Bandes“ der Bundesregierung hätte dieses Anliegen unterstrichen. Ebenso wäre an den Haltepunkten entlang der Fahrstrecke des Floßes dieses Thema medial herausgestellt worden.

Schade!

 

Von Jupp Rapp - 04.05.2020

Es ging schneller als gedacht
 

Die Absage des 33. Deutschen Flößertages im Juli in Reinhardshagen hat innerhalb der Deutschen Flößerei-Vereinigung e. V. sofort für eine Reaktion gesorgt.
Unser Vorsitzender Martin Spreng aus Altensteig im Schwarzwald hat das Heft in die Hand genommen und per Mail-Abstimmung die Weichen gestellt.
Der Flößer-Kulturverein in München-Thalkirchen, das ist dort, wo die berühmten Tourismusflöße auf Isar und Loisach aus Wolfratshausen ihre Fahrt beenden, hat sich zu unseren Gunsten bereit erklärt, anders als geplant, dort erst im Jahr 2022 den Flößertag auszurichten.
So hat die überwältigende Mehrheit der deutschen Flößer entschieden, dass der nächste Flößertag vom

 
26. bis zum 29. August 2021 in Reinhardshagen

stattfinden wird. Darüber freuen wir uns sehr.

Wir haben jetzt ein paar Wochen Zeit, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. Was von den diesjährigen Planungen übernommen werden wird und welche Änderungen vorgenommen werden, muss noch festgelegt werden.
Wir werden jedenfalls auch an dieser Stelle darüber informieren.

 

Von Jupp Rapp - 27.03.2020

33. Deutscher Flößertag und Floßbauprojekt an der Oberweser abgesagt!


Nun hat es auch ein uraltes Gewerbe erwischt! Die Corona-Pandemie legt das deutsche Flößereiwesen lahm.

Die Langholzflößerei auf den deutschen Flüssen hat lange Zeit den Transport des unverzichtbaren Rohstoffs Holz aus den großen Waldgebieten in die Zentren der wirtschaftlichen Entwicklung und zum Aufbau der Städte garantiert. Ohne den Einsatz fremder Energie geschah dies im höchsten Maße umweltfreundlich. Schließlich ist das Holz der einzige Rohstoff, der sich selbst transportiert und dazu auch noch unter ökologisch besten Bedingungen ständig nachwächst.

Darauf sind nicht nur die ca. 2.500 Flößerinnen und Flößer in deutschlandweit 34 Vereinen stolz, die sich diesem uralten Handwerk verbunden fühlen und darauf verweisen, dass die Flößerei seit 2014 in der bundesweiten Liste des immateriellen Kulturerbes bei der Deutschen UNESCO-Kommission verzeichnet ist.

In diesem Sommer wollte sich im Juli die Flößereiszene zum 33. Deutschen Flößertag in Reinhardshagen an der Oberweser treffen.

Es wäre der erste Flößertag in Hessen geworden. Darauf freuten sich die Mitglieder der Weserflößer Reinhardshagen und zahlreiche Freunde in der Region.

Hier haben nach dem Ende der Weserflößerei im Jahr 1964 mehrere spektakuläre Floßbauprojekte nach den Vorbildern aus den alten Zeiten stattgefunden, die jeweils größtes Medieninteresse hervorgerufen haben. Das betrifft sowohl den eigentlichen Bau in Reinhardshagen wie auch die anschließende Floßfahrt auf der Weser bis nach Minden und einmal sogar bis nach Bremen.
 

Zum Flößertag erwarteten die Organisatoren aus Nordhessen mehrere Hundert Flößerfreunde aus allen Teilen der Republik. An mehreren Tagen sollten bei einer Festveranstaltung, bei Vorträgen und Busexkursionen entlang der Oberweser, in den Reinhardswald und nach Kassel sowie beim Bau des Floßes am Weserufer der Erfahrungsaustausch, die Werbung für das Floßwesen insgesamt und die Begegnung unter Freunden im Vordergrund stehen.


Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, die Unterstützungsbereitschaft aus der Region in jeder Form spornte die Flößer an. Das Medieninteresse wuchs von Tag zu Tag.
Die dicken Fichtenstämme, gesponsert von den Niedersächsischen Landesforsten und von Hessen-Forst lagen schon am Boden.


Aber die Unwägbarkeiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung in Sachen Corona lassen uns keine andere Wahl.

 

Wir müssen diese tolle Veranstaltung einschließlich der erlebnisreichen Floßfahrt auf 200 km der Weser leider absagen.
 

Wir bitten um Entschuldigung und Verständnis!
 

 
Deutsche Flößerei-Vereinigung e. V.
Vorsitzender Martin Spreng
72213 Altensteig
www.floesserei-vereinigung.de
Weserflößer Reinhardshagen e. V.
Vorsitzender Eckhard Meyer
34359 Reinhardshagen
www.weserfloesser.de

 

 


Solche Bilder wird es daher im Jahr 2020 wohl nicht geben:

 

Von Jupp Rapp - 01.10.2019

1000 Jahre Reinhardswald - Ein Jubiläum zur rechten Zeit


Fast hätte man dieses denkwürdige Jubiläum vergessen. Bei einer Zufallsbegegnung erfuhren Freunde des Reinhardswaldes von dem Datum, die dann das Ereignis publik machten und eine Reihe von Veranstaltungen auslösten.
Dabei ist z. B. im Standardwerk von Bonnemann (1984) ausführlich beschrieben worden, dass im Jahr 1019 Kaiser Heinrich II. den südlichen Teil des heutigen Reinhardswaldes dem Bistum Paderborn geschenkt hatte. Selbst die Originalurkunde vom 15.12.1019 ist in diesem Buch abgedruckt. Darin wird dieser Forst als ein Gebiet beschrieben, das vom Flüsschen Fulda begrenzt wird, dann die heutige Wüstung Reinersen, Udenhausen und die Wüstung Rotbrechterhuson tangiert und von dort an die Weser springt und bis nach Hann. Münden (Gemundin) reicht. Der heutige Name Reinhardswald taucht im 14. Jahrhundert auf.
Im Hochmittelalter war die heutige geschlossene Waldfläche zweigeteilt. Der kleinere nördliche Teil trug den Namen Siburg. In der Wüstungsphase des 14. Jahrhunderts wuchsen die beiden Forste zusammen.
 

Bei einem solchen Jubiläum kann man darüber streiten, ob 1000 Jahre für die Entwicklung unserer Wälder eine lange Zeit ist oder nicht. Angesichts der brennenden Probleme, die das Ökosystem Wald nicht nur in Deutschland sondern auch weltweit politisch wie gesellschaftlich ausgelöst hat, bietet sich der Reinhardswald als Informations- und Diskussionsgrundlage für die frühere Bedeutung des Waldes, seine derzeitige Position und die Zukunftsperspektiven geradezu an. Das Interesse an diesen Fragen ist in den letzten Jahrzehnten, spätestens seit der Auseinandersetzung mit den neuartigen Waldschäden im Zeichen des „Waldsterbens“ deutlich gewachsen. Und weltpolitisch betrachtet wird dem Wald bezüglich der Klimaentwicklung eine Schlüsselrolle zugebilligt.
Als der Schweizer Schriftsteller Bernd Steiner (1995) den Reinhardswald als „Schatzhaus der europäischen Wälder“ beschrieb, erhielt dieses Waldgebiet ein Markenzeichen, das inzwischen überall in der Region verwendet wird und im Bewusstsein der Bevölkerung als glaubwürdig verankert ist. Er ist als geschlossenes, weitgehend unzerschnittenes Waldgebiet von mehr als 20.000 Hektar Größe der größte Wald in Hessen. Nahezu vollständig gehört er als Staatswald dem Land Hessen und ist damit ein „Bürgerwald“ im Sinne der Allgemeinwohlverpflichtung des öffentlichen Waldes.

Sein Millennium im Jahr 2019 deckt sich weitgehend mit der Waldzeit, Baumzeit oder dem hölzernen Zeitalter, wie die Epoche bis Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnet wird, in der der Wald und das Holz die Lebensgrundlage unserer Gesellschaft darstellten.

Alles was mit Energie zu tun hatte, gründete sich auf Holz. Von der häuslichen Wärme, dem Kochen, Backen, Bierbrauen, Töpfern, Glasmachen, Salz- und Pottaschesieden bis zur Metallverarbeitung, überall ging es um das Holz. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als mit dem Ausbau der Eisenbahn die Steinkohle überall hin transportiert werden konnte und die Abhängigkeit vom Energieträger Holz ablöste.

Spuren dieser elementaren Bedeutung sind als Meilerplatten aus der Zeit der Köhlerei, Hohlwegebündel für die Logistik oder Ofenhügel der Glasmacher im Wald zu entdecken. Die schier endlosen Buchenwälder entlang der Flüsse Fulda und Weser lieferten Energie und sind alte Wälder im Sinne der ökologischen Betrachtung. Die landgräfliche Eisenhütte von 1666 in Reinhardshagen-Veckerhagen ist noch heute als Baudenkmal der frühen Ökonomien der Landgrafschaft im Originalzustand erhalten geblieben.
Von allein drei Sägewerken in Reinhardshagen ist nur noch ein auf Buchenholz spezialisierter Betrieb geblieben. Wirtschaftlicher Wandel auch hier.


Ebenso wichtig wie die Holzproduktion war die Bedeutung des Reinhardswaldes als landwirtschaftlicher Ergänzungsraum. Bis Ende des 19. Jahrhunderts sind im Sommer mehr als 30.000 Stück Vieh zur Hute in den Wald getrieben worden. Bis zu 20.000 Schweine wurden im Wald gemästet. Auf den Eichen wachsen die besten Schinken.
Das änderte sich erst mit der Einführung der Kartoffel im 19. Jahrhundert.

Foto:
Huteeichenbestand

 


Der Übergang zur Stallhaltung bescherte dem Wald ein weiteres Problem. Es fehlte an Stroh. Also holte man Streu aus dem Wald, kehrte ihn förmlich aus. Die katastrophalen Nebenwirkungen auf den Boden und die Nährstoffbilanz braucht man nicht weiter zu erklären.
Innerhalb dieser 1000 Jahre geriet der Reinhardswald in eine krisenhafte Situation. Der Holzbedarf stieg an, der Vieheintrieb in den Wald schadete der Verjüngung und ließ auf den Dauerhuten aus Wald offene Hutelandschaften werden. Holz wurde knapp. Die Regenten in Kassel versuchten durch eine Folge von Holz- und Forstordnungen das Schlimmste zu verhindern. Mittendrin standen die Förster, die für Verteilungsgerechtigkeit sorgen und wenn man so will Nachhaltigkeitsregeln durchsetzen sollten. Sie wurden im 19. Jahrhundert dann die meistgehassten Beamten der Administration.
Eine spektakuläre Maßnahme war dann die Anordnung zur Anlage von Eichenpflanzwäldern im Jahr 1764. Durch die Pflanzung von Eichen im Verband 4 x 12 Meter sollten die Ansprüche der Schweinemast, der Waldweide und der Holzproduktion optimiert werden. Das geschah auf einer Fläche von mehreren tausend Hektar. Rund 400 Hektar sind uns davon erhalten geblieben. Ein faszinierendes Alleinstellungsmerkmal des Reinhardswaldes.
Holzeinschlag und Baumpflanzungen führen zum Thema „Wald und Arbeitsplatz“. Hier im Reinhardswald hatte es eine fundamentale Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg schätzt man die Zahl der im Wald Beschäftigten auf rund 1000 Personen. Es gab regelrechte Waldarbeiterdörfer. Die Männer gingen als Saisonarbeiter im Winter als Holzhauer in den Wald, in den Sommermonaten pflanzten die sogenannten Kulturfrauen neue Bäume, pflegten die Kulturen, arbeiteten in den Pflanzgärten und halfen bei der Flächenräumung. Ihr Berufsbild ist inzwischen aus dem Wald verschwunden, hatte aber auf der Rückseite der 50 Pfennig Münze eine wunderschöne Würdigung erfahren.
Aus den Holzhauern wurden ganzjährig beschäftige Waldfacharbeiter, die sich heute Forstwirte nennen. Ihre Zahl hat radikal abgenommen. Allein ein Vollernter, Harvester genannt, ersetzt vor Ort bis zu 20 von ihnen. Der Fahrer wohnt nicht hier sondern irgendwo in Europa. Sozialer Wandel im Wald. Das gehört zum Thema 1000 Jahre dazu.
Nicht fehlen darf das Thema „Jagd“. Da spielt der Reinhardswald in der höchsten Liga. An den Stammtischen der deutschen Jägerschaft kursieren immer noch die Mythen um die reifen, starken, alten Hirsche und die urigen Keiler, die hier ihre Fährte gezogen haben. Die Landgrafen machten aus dem Reinhardswald ihr Lieblingsjagdrevier, Philipp der Großmütige trieb es im 16. Jahrhundert auf die Spitze. Unvollstellbare Jagdstrecken werden von ihm kolportiert.
Das Ende der Feudaljagd im Jahr 1848 sorgte auch im Reinhardswald für Veränderungen. So wurde im Jahr 1866 der südliche Teil eingezäunt ist. Diese Fläche von heute rund 10.000 Hektar Größe ist nicht mehr komplett umfriedet aber durch die „Anordnung betreffend das Wildschutzgebiet „Reinhardswald““ zum Wildschutzgebiet vom 26. März 2014 (www.staatsanzeiger-hessen.de) jagdlich privilegiert und mit empfindlichen Einschränkungen des Betretungsrechts verbunden. Diese Anordnung sollte deshalb aufgehoben werden. Und ebenso ist die Einzäunung von großen Waldflächen tierökologisch nicht mehr zeitgemäß.
Durch die 1000 Jahre Reinhardwaldgeschichte ziehen sich auch die häufig blutigen Spuren der Jagdwilderei. Gut dokumentiert und im Bewusstsein der Bevölkerung wachgehalten, lohnt es sich, diesem Phänomen aus Hunger, Rebellentum und Besessenheit gedanklich näher zu treten. Es gibt zahlreiche Stellen im Reinhardswald, an denen dies leicht möglich ist.
Heute wird die Jagd dienstleistungsorientiert betrieben. Abschüsse von Rot-, Schwarz- und Rehwild werden gegen die Zahlung von Jagdbetriebskosten ebenso angeboten wie die Teilnahme an Gesellschaftsjagden. Das ist gut so und beseitigt die Spuren des Feudalismus. Gleichzeitig sorgt dieses Verfahren für Impulse in der Tourismusbranche. Da hat sich innerhalb der 1000 Jahre sehr viel verändert.
Ein Gesichtspunkt hat sich erst in den letzten gut einhundert Jahren entwickelt: der Naturschutz. Und auch hier hat der Reinhardswald heute eine herausragende Position. Die ehemalige Hutewaldlandschaft des Kuhbergs bei der Sababurg wurde 1907 das erste hessische Naturschutzgebiet und unter dem Namen „Urwald Sababurg“ zum heute wohl bekanntesten und meist fotografiertesten Waldstück Deutschlands.
Die waldökologisch so wichtigen Weserhänge mit ihren Buchenbeständen sind auf großer Fläche FFH-Gebiet. Und bei der Wildnisstrategie des Landes Hessen sind für das Forstamt Reinhardshagen, also den Reinhardswald, 2170 Hektar als Kernflächen ausgewiesen, in denen sich der Urwald von morgen entwickeln kann. Auch hierbei wird dieser Wald hinsichtlich des Arteninventars und der ökosystemaren Komplexentwicklung eine herausragende Stellung einnehmen.
Und seit 2017 ist der Reinhardswald auch Naturpark. Damit wurde eine alte Forderung verwirklicht.
Der Wunsch, aus dem Solling, dem Bramwald und dem Reinhardswald ein Biosphären-Reservat zu gestalten, scheiterte an den Landesregierungen in Hannover und Wiesbaden.
Aber wie hat sich der Wald selbst in diesen 1000 Jahren entwickelt? 1019 war die Zeit der Urwälder schon vorbei. Die unterschiedlichsten Nutzungsansprüche im Zeichen einer hohen Multifunktionalität kann man bereits damals nachzeichnen. Nutzholz in verwertbarer Qualität, Brennholz für die Energiegewinnung und masttragende Bäume für die Schweinezucht waren gefragt. Da stand die Eiche im Mittelpunkt und wurde gefördert.

Die Buche, erst seit rund 3000 Jahren wieder eingewandert, konnte sich in den Weserhängen voll entfalten. Für die Schweinemast waren ihre Eckern weniger geeignet und ihre vollbelaubten Kronen ließen kaum Pflanzen für die Waldweide gedeihen.
Die Hochflächen des Reinhardswaldes und die Westabdachung gehörten also der Eiche.
Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als die bisher kaum bekannte Fichte auf großer Fläche angebaut wurde. Die Zeiten der Waldweide und Schweinemast waren vorbei.

Foto: Buchen in den Weserhängen
 


Der ruinöse Zustand der Huteflächen verlangte nach einer waldbaulichen Lösung, die Holzknappheit wurde ein volkswirtschaftliches Problem.
Durch diesen Massenanbau der Fichte veränderte sich das Waldbild des Reinhardswaldes. Die charakteristischen uralten Huteeichen verschwanden nach und nach.
Und wie sieht es heute hier aus? Die Weserhänge haben das durch die Buche geprägte Landschaftsbild kaum verändert. Sie bestimmen nach wie vor den Reiz des Wesertals zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen.

Auf der Hochfläche des Reinhardswaldes durchziehen immer noch alte Eichenalleen die Landschaft, in der man auch heute noch weiträumige Eichenbestände findet.
Und auf dieser Hochfläche gibt es auch großflächige Fichtenbestände aber in abnehmender Zahl. Die biotischen wie abiotischen Schadeinflüsse haben besonders dieser Baumart arg zugesetzt.
Im November 1972 fielen beim Niedersachsenorkan mehrere hunderttausend Festmeter Fichten um.
Foto: Eichenallee auf der Hochfläche

Das setzte sich in den Folgejahren fort und erreichte beim Orkan Kyrill im Jahr 2007 einen weiteren Höhepunkt. 2010 griff der Sturm Xynthia in den Wald ein. 2018 sorgte Friederike für verheerende Schäden, die 2019 vom Sturm Eberhard verstärkt wurden.
Diese Schäden haben insgesamt zu einer Auflösung der waldbaulichen Strukturen der Fichtenbestände und einem massiven Vorratsverlust geführt, der an den Grundfesten der Nachhaltigkeit rüttelt.

Und die Katastrophe ist noch nicht beendet. Im Zuge der Dürre im Jahr 2018 und durch die idealen Brutbedingungen in den Resthölzern des Windwurfs hat eine Massenvermehrung der Borkenkäfer bisher unbekannten Ausmaßes die nächste Kalamität ausgelöst. Der Fichtenanbau im Reinhardswald kommt in eine finale Phase und verlangt auch angesichts der potenziellen Klimaveränderung grundsätzliche strategische Entscheidungen.
Foto:
Die Kamineiche im NSG „Urwald Sababurg“ als Briefmarkenmotiv
 


Die dürfen nicht auf die Fichte beschränkt bleiben, da z. B. auch die Eichen unter der Bezeichnung „Eichensterben“ seit über 20 Jahren unter verschärfter Beobachtung stehen. Und auch bei den Buchen gibt es Probleme.
Die gerade jetzt bundesweit anlaufende Grundsatzdiskussion zur Zukunft unserer Wälder könnte den Reinhardswald als Beispiel aufgreifen, zumal die forstliche Wissenschaft hier durch die Ausbildungs- und Forschungsstätten in Göttingen und Hann. Münden einen langen, fundierten Vorlauf vorzeigen kann.
Und diese Diskussion kann nicht ohne Beteiligung der Bürger dieses Landes geführt werden. Die Menschen sind in großer Sorge um ihren Wald, die Auseinandersetzungen nehmen zu.
Im Reinhardswald betrifft das besonders die Planungen einer Entsorgungspipeline der Kaliabwässer aus dem Raum Bad Hersfeld in die Weser bei Gieselwerder und der Bau eines Ausgleichsbeckens von beachtlicher Größe im Reinhardswald.
Noch stärker bewegt die Menschen aber die Planung für den Bau von 240m hohen Windenergieanlagen auf den Höhen des Reinhardswaldes. Hier prallen wie überall in Deutschland die Meinungen hart aufeinander. Die Frage der Windenergie im Wald spaltet die Gesellschaft.
Gehört all das zur heutigen Multifunktionalität des Reinhardswaldes dazu oder führt es ihn zum Verlust seiner Identität?
Zum Jubiläumsjahr gab es ein paar Veranstaltungen, einige sind noch geplant.
Am 26. Juni 2019 hatte eine Bürgerbewegung zu einer solchen an den wohl schönsten Platz im Reinhardswald, in die Elch-Lodge im historischen Tierpark Sababurg, eingeladen.

Mit drei Vorträgen wurde der Bezug zu den 1000 Jahren und der heutigen Situation dargestellt. Musik und neue Gemälde uralter Eichen aus dem „Urwald Sababurg“ sorgten für einen würdevollen Rahmen. Und von der Terrasse aus konnten die Gäste den Blick auf die Höhen des Reinhardswaldes, auf die Sababurg und die Eichenalleen des Tierparks genießen und das in einer absolut lärmfreien Umgebung. Da bekamen Gedanken ihren freien Lauf, tauschten die Besucher ihre Begeisterung aber auch Sorgen aus. Was werden die kommenden tausend Jahre dem Reinhardswald bescheren?
 

Foto: Die Sababurg von 1334, zentraler Anziehungspunkt im Reinhardswald
 

 

Informationen zum Reinhardswald findet man bei Bonnemann (1984), Pater (2017) Rapp (2002) sowie Rapp und Schmidt (2006).

Fotos:
Archiv H.-J. Rapp
erschienen im Jahrbuch Naturschutz in Hessen, Band 18/2019, Niedenstein, 2019.

Literatur:
Bonnemann, A.,1984: Der Reinhardswald. Hann. Münden.
Eggmann, V. und Steiner, B. (1995): Baumzeit. Zürich.
Pater, J., 2017: Riesige Eichen. Stuttgart.
Rapp, H.-J. (als Herausgeber), 2002: Reinhardswald - Eine Kulturgeschichte. Kassel.
Rapp, H.-J. und Schmidt, M. (als Herausgeber): Baumriesen und Adlerfarn. Kassel.
 

Von Jupp Rapp - 01.10.2019

Deutscher Flößertag 2019 in Brandenburg


Die Erinnerungen an den Deutschen Flößertag 2018 im Nordschwarzwald sind uns noch in bester Erinnerung. Ein tolles Programm in einer herrlichen Landschaft und viele Gespräche und Erlebnisse im Kreis von Flößerkollegen aus ganz Deutschland ließen uns damals mehr als zufrieden nach Hause fahren.
Nun waren wir auf den 32. Deutschen Flößertag 2019 gespannt, der vom 5. bis zum 8. September 2019 in Brandenburg stattfand.
Veranstalter war der Finowfurter Flößerverein in der Schorfheide. Dieser Ort mag viele Leser überraschen, da man die Gewässer nördlich von Berlin kaum mit der Flößerei in Verbindung bringt. Die Realität sieht aber anders aus. Dort ist über lange Zeit der Holztransport für den Aufbau von Berlin und auch von weiten Teilen Westpolens, Pommerns und Mecklenburgs gesteuert worden. Das war für die Weserflößer neu, wurde bei den Vorträgen und Exkursionen aber eindrucksvoll herausgearbeitet.
Der Bekanntheitsgrad der Schorfheide ist im Reinhardswald allerdings recht hoch. Dieses riesengroße Waldgebiet hat in der Jagdliteratur einen besonderen Stellenwert, unzählige Geschichten über die Wilderei sind in spannenden Büchern dokumentiert und die starken Hirsche haben hier den Hochadel und die Politikprominenz magisch angezogen. Carinhall und Hubertusstock sind auch bei uns bekannte Begriffe, mit denen man Hermann Göring und Erich Honecker verbindet. 1934 überlegte Hermann Göring, ob er seine Jagdexzesse im Reinhardswald oder in der Schorfheide umsetzen wollte. Dieser Kelch ist an uns vorbei gegangen.
Aber jetzt zum Flößertag. Acht wackere Gesellen machten sich am Donnerstag auf die Reise und erreichten planmäßig ihr Ziel. Dort quartierten sie sich im großen Ringhotel Schorfheide mitten im Jagdparadies ein und fühlten sich während der Veranstaltung dort sehr wohl.
Am Freitag ging es ins Gelände. Die Besichtigung des Schiffshebewerkes, des Krafthauses und des Infozentrums der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung stand an.
Und nachmittags fuhren die Busse nach Berlin. Eine dreistündige Brückenfahrt auf der Spree mit Abendessen bot Eindrücke und Informationen noch und noch. Und der Seemann Loschi sorgte für stimmungsvolle musikalische Unterhaltung.
Samstags gibt es traditionell ein gespaltenes Programm. Da findet vormittags die Mitgliederversammlung mit den üblichen Ritualen aber auch umfassenden Informationen für alle Mitgliedsvereine statt. Das ist spannender als man glauben könnte. Darauf folgten dann drei Fachvorträge, die von den Veranstaltern bravourös zusammengestellt worden waren.
Parallel dazu wurde eine Schifffahrt auf dem Werbellinsee angeboten. Das als „Damenprogramm“ abzuqualifizieren ist ein Fehler. Dieser einmalig schöne und rundum bekannte See ist immer eine Reise wert.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es dann wieder vereint nach Groß Schönebeck, ein klangvoller Name in Forst- und Jagdkreisen, zu einem Besuch des Museum und einer Filmvorführung.
Es folgten der Gang zum Floßplatz Finowfurt, die Besichtigung der Flößergasse und eine Fahrt mit der Flößerfähre.
Der gemütliche Abschlussabend mit DJ Bodo Derkow bildete dann einen würdigen, interessanten und verbindenden Akkord für diese Tage in der Schorfheide.
Wer wollte, konnte noch am Sonntag an einem kleinen Umzug vom Floßplatz zur Kirche und dem Gottesdienst in Finowfurt teilnehmen.
Damit war dann der Deutsche Flößertag 2019 beendet.
Und jetzt stehen wir in der Pflicht. Die Weserflößer Reinhardshagen hatten sich im letzten Jahr für den Deutschen Flößertag 2020 beworben und einstimmig den Zuschlag erhalten. Jetzt ticken an der Weser die Uhren. Wir müssen energisch in die Hände spucken. Die Fachwelt wartet auf eine tolle Veranstaltung in 2020.
 

Von Jupp Rapp - 21.08.2019

33. Deutscher Flößertag 2020 in Reinhardshagen an der Oberweser


Die Weserflößer Reinhardshagen e.V. veranstalten vom 23. bis zum 26. Juli 2020 den 33. Deutschen Flößertag und verbinden dieses Treffen mit dem Bau eines Weserfloßes am Weserufer in den historischen Ausmaßen, das am So. 26. Juli von dort in mehreren Tagesetappen auf die Reise nach Minden verabschiedet wird. Am Fr. 31.07.2020 wird das Floß dann in Minden eintreffen.

Zu diesem Treffen der deutschen Flößervereine werden jährlich mehrere hundert Teilnehmer erwartet. Im Mittelpunkt stehen der Informationsaustausch und die Vorstellung der Region im Zeichen der Pflege dieses immateriellen Kulturerbes.

 

• Die Flößerei hat in ganz Europa und darüber hinaus eine fundamentale Bedeutung in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte eingenommen. Auf der Weser endete sie erst 1964.

 

• Aus den Erfahrungen der letzten Floßprojekte 2008, 2009 und 2016 in Reinhardshagen ist bekannt, dass die Flößerei allergrößte Beachtung findet und mit hohen Sympathie werten verbunden ist. Das Echo in allen Medienbereichen war immer sehr groß.

 

Ein paar Daten zum geplanten Floß:
Länge 40 m, Breite 7 m, Tiefgang 0,80 m, Volumen etwa 100 Festmeter Fichtenholz, Floßgewicht ca. 90 t, Fahrgeschwindigkeit 4-5 km/h.
 

Ansprechpartner sind: Eckhard Meyer (Vorsitzender), eckhard.meyer@weserfloesser.de, Telefon 0160-96956971 und
Bernd Kröhnert (Schatzmeister), b.kroehnert@kroehnert-holz.de,
Telefon 0171-2450960.

 

Vorläufiges Programm für die teilnehmenden Flößer-Vereine:

Donnerstag, 23. Juli 2020, Anreise der Teilnehmer und Bezug der Quartiere.
Das Veranstaltungsbüro befindet sich in der Wesertalhalle im Ortsteil Reinhardshagen-Veckerhagen.
18 Uhr Vorstandssitzung der Deutschen-Flößerei-Vereinigung in der Wesertalhalle.
19 Uhr Gemütliches Beisammensein aller Teilnehmer in der Wesertalhalle.
Parallel dazu ab 10 Uhr Baubeginn des Weserfloßes ebenfalls im Ortsteil Veckerhagen an dem historischen Floßplatz „Kalkstein“, Ortsausgang Richtung Bad Karlshafen.

Freitag, 24. Juli 2020, 10 Uhr Treffen der Teilnehmer am Floßplatz und Start der Exkursionsbusse.
Nachmittags Kaffee und Kuchen am Floßplatz.
Rustikaler Flößerabend am Floßplatz an der Weser.
Parallel dazu Fortführen des Floßbaus.

Samstag, 25. Juli 2020, 10 Uhr Treffen am Floßplatz und Start für weitere Exkursionen oder Besichtigungen.
Parallel dazu 10 Uhr Jahreshauptversammlung aller teilnehmenden Flößer-Vereine in der Wesertalhalle.
Mittagessen in der Wesertalhalle.
Nachmittags unterhaltsames Treiben am Floßplatz.
Anschließend Abendessen und bunter Abend in der Wesertalhalle.
Parallel dazu Fertigstellung des Floßes und Abnahme durch einen Schifffahrtssachverständigen.

Sonntag, 26. Juli 2020, 10 Uhr Ablegeveranstaltung des Floßes am „Kalkstein“. Start gegen 11 Uhr.

Flyer zum 33. Deutschen Flößertag in Reinhardshagen 2020
 


Von Jupp Rapp - 21.08.2019

Flöße auf der Oberweser – mehr als Nostalgie


Ein paar Worte zum Deutschen Flößertag 2020 in Reinhardshagen

Oberweser – wo ist das eigentlich genau? Wir erleben es wieder, wenn wir Fremden erklären wollen, wo wir Weserflößer Reinhardshagen herkommen. Dabei leben wir wirklich mitten in Deutschland.
Zehn Kilometer oberhalb von uns fließen die Werra aus Thüringen, 299 km lang und die Fulda aus der Rhön, 220 km lang, am Weserstein in Hann. Münden zusammen und nennen sich fortan Weser. Eigentlich fließt korrekt betrachtet die Fulda in die Werra, aber davon spricht man heute kaum noch. Nach 451 km fließt die Weser als komplett deutscher Strom in die Nordsee.
Der als Oberweser bezeichnete Teil durchfließt das Weserbergland bis zur Porta Westfalica bei Minden. Bis zu diesem Ort berührt sie Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Nicht weit entfernt ist das thüringische Eichsfeld und bis zur Nordsee geht es noch durch das Bundesland Bremen.
Wichtige Städte der Region sind Kassel und Göttingen.
Mehrere bekannte waldreiche Mittelgebirge grenzen hier aneinander: der Habichtswald bei Kassel mit dem Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe, der Kaufunger Wald mit dem angrenzenden Hohen Meißner, dem Reich von Frau Holle, der kleinere Bramwald auf der östlichen Weserseite als Kleinod großer waldbaulicher Leistungen, der Solling als ruhmreiches Jagdrevier und Schwerpunkt forstlicher Forschung in Sachen Waldsterben und dann „unser“ Reinhardswald auf der Westseite des Flusses, als „Schatzhaus der europäischen Wälder“ tituliert und gerne als Märchenland der Brüder Grimm vermarktet.
Jedes dieser Mittelgebirge hat ein eigenes Profil. Insgesamt stellen sie aber innerhalb Deutschlands ein einmaliges Ensemble hochwertiger, attraktiver und schützenwerter Naturlandschaften dar.
Durch die Nähe zum Ausbildungs- und Wissenschaftsstandort Göttingen hat sich hier ein Schwerpunkt forstlicher Forschung entwickelt, der mit z. T. jahrzehntealten Versuchsanlagen und umfangreichen Dokumentationen besondere Bedeutung besitzt.
Der Reinhardswald in seinem größeren südlichen Teil feiert in diesem Jahr sein 1.000 jähriges Jubiläum, das durch eine Schenkungsurkunde Heinrichs des II. belegt ist. Bei den Feiern zu diesem Ereignis wird die fundamentale Bedeutung dieses Waldes und stellvertretend für die anderen Wälder als Lebensgrundlage der Menschen und als Fundament für die wirtschaftliche Entwicklung der Region hervorgehoben.


Da geht es um den Rohstoff Holz für die Versorgung mit Energie in jeder Form. Glasmacher, Eisenverarbeiter, Töpfer und Salzsieder haben es als Rohholz oder als Holzkohle verwendet. Es war Baustoff für die Häuser und die Möblierung, Werkstoff für Küfer, Stellmacher, Drechsler und viele andere Gewerke, die heute hinter dem Vorhang der Geschichte verschwunden sind. Der Schiffbau und die Flößerei gehören auch in dieses Spektrum hinein.

 

Foto: Claus am Kuhlbaum


Ebenso bedeutsam waren die Wälder als landwirtschaftlicher Ergänzungsraum. Die Bauern waren gezwungen, im Sommer ihre Kühe, Rinder, Pferde und Schafe zur Weide in die Wälder zu treiben. Das führte zu gravierenden Verbissschäden und dem Ruin großer Waldflächen. Außerdem trieb man im Herbst die Schweineherden zur Mast in die Eichen- und Buchenbestände. Auf den Eichen wachsen bekanntlich die besten Schinken. Die eindrucksvollen Reste ehemaliger Hutebestände und uralte frühere Huteeichen lassen sich heute noch im Reinhardswald bestaunen.
Als dann im 19. Jahrhundert im Zeichen der Agrarrevolution die Zeit der Waldweide vorbei war, zog auf den malträtierten Huteflächen die bisher wenig bekannte Fichte in die Mittelgebirgswälder ein. Bis zu dieser Zeit hatten Eiche und Buche die Waldbilder beherrscht. Mit der Fichte kam die Glanzzeit der Flößerei.
Inmitten oder am Rand dieser Wälder trifft man auf prachtvolle Fachwerkorte, bedeutsame Denkmäler der Baukultur wie die Sababurg aus dem Jahr 1334 mitten im Reinhardswald, zahlreiche imponierende Klosterkirchen als Symbole einer 1.000 jährigen kulturellen und sozialen Geschichte dieses Landstrichs.


Heute unterliegen die Wälder einer hohen Multifunktionalität. Sie prägen die Landschaft und stärken die weichen Standortfaktoren im Wettbewerb der Region um den Erhalt der Einwohnerzahlen und der Infrastruktur. Sie sind die Grundlagen für einen wertschöpfenden Tourismus, der sich auf Wandern, Rad- und Kanufahren sowie aktives Naturerleben in nahezu unzerschnittenen Lebensräumen stützen kann, die auch zu den letzten lärmarmen Arealen unseres Landes zählen.

 

Foto: Eine unvergessliche Stimmung


Das Ökosystem Wald ist hier von einer besonders hohen Biodiversität geprägt. Zahlreiche Schutzgebiete schützen seltene Arten und führen gleichzeitig die Bürger an die Kostbarkeiten unserer Natur heran. Der „Urwald Sababurg“ als ältestes hessisches Naturschutzgebiet gilt als bekanntestes Waldstück Deutschlands und hinterlässt bei jedem Besucher einen besonderen Eindruck.
Mehrere Naturparke liefern das Gerüst für eine sinnvolle Nutzung dieser Naturressourcen im Sinne einer wirkungsvollen Regionalentwicklung.
Dabei spielt auch die Weser eine wichtige Rolle. Hier hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die unter dem Zeichen des „Blauen Bandes“ die Revitalisierung dieses Flusses anstrebt.
Der Wald als Arbeitsplatz hat nicht mehr die Bedeutung wie vor 50 Jahren, stellt aber immer noch eine messbare Größe dar. Die Holzproduktion auf der Grundlage nachhaltiger Forstwirtschaft ist unter dem Vorzeichen der Energiebilanz aktueller denn je.
Aber der Wald ist in eine bedrohliche Lage geraten. Mehrere Orkane haben unglaublich viel Holz geworfen, besonders Fichten, das Waldgefüge zerstört und die Einschlagsbilanz als Fundament der Nachhaltigkeit ins Wanken gebracht.


Der trockene Sommer 2018 und das üppig vorhandene Brutmaterial für die Borkenkäfer haben zu einer Insektenkalamität geführt, wie man sie hier noch nicht gekannt hat. Die drohenden Zeichen einer Klimaveränderung lassen befürchten, dass es mehreren Baumarten und den gepflegten Waldbildern an den Kragen geht. Da gilt es, jede weitere Gefährdung dieser Wälder zu verhindern.

 

 

Foto: Ankunft in Bremen

 

Der Bau einer Abwasserpipeline mit einem riesigen Ausgleichsbecken für die Salzlaugen des Kaliabbaus vor der Einleitung in die Oberweser im Reinhardswald sollte ebenso verworfen werden wie der Bau von 240m hohen Windenergieanlagen mit der notwendigen logistischen Infrastruktur inmitten geschlossener Waldgebiete.
Ein Weserfloß bietet sich als Plattform der Besinnung auf 1.000 Jahre Reinhardswald, die Bedeutung von Wald und Holz für die Gesellschaft und die Zukunftsfähigkeit unserer Region an.
Auge in Auge möchten wir mit unseren geschätzten Flößerfreunden über all das reden und ihnen die Kostbarkeiten unserer Region zeigen.
Wir freuen uns darauf.

 

Fotos: Floßfahrt 2008 von Reinhardshagen nach Bremen.
Archiv Weserflößer Reinhardshagen

 

Von Jupp Rapp - 17.09.2018

Weserflößer auf Werbetour im Schwarzwald


31. Deutscher Flößertag in Unterreichenbach an der Nagold


17 Weserflößer aus Reinhardshagen, Oberweser und Minden hatten sich auf den Weg in den Nordschwarzwald gemacht, um am diesjährigen Deutschen Flößertag vom 6. bis zum 9. September in diesem historisch bedeutsamen Flößerrevier teilzunehmen. Sie wurden nicht enttäuscht und kehrten voller positiver Eindrücke und interessanter Erlebnisse an die Weser zurück.

In Fahrgemeinschaften angereist gab es bereits am Donnerstag ausgiebig Gelegenheit in dem herrlich gelegenen Hotel mit anderen Flößergruppen aus ganz Deutschland Kontakt aufzunehmen und die Qualität der schwäbischen Gastronomie zu genießen.



Am Freitag warteten die Busse auf die rund 180 Teilnehmer, um sie nach Wildbad zu bringen, wo es mit der Sommerbergbahn bergauf zum eindrucksvollen Baumwipfelpfad und der ebenso spektakulären Hängebrücke ging. Nach einem Stadtbummel durch den gepflegten Kurort hatte das sehenswerte Flößermuseum in Unterreichenbach bereits die Türen geöffnet und nebenan die Feuerwehr eine reichhaltige Kaffeetafel vorbereitet.

Zu Fuß ging es dann am riesigen Flößerdenkmal vorbei zu einem neuen Flusskraftwerk an der Nagold, wo wir hautnah einen Aspekt der Energiewende besichtigen konnten.

Nicht weit davon entfernt stellte sich das Sägewerk Burghard, das sich in vielerlei Hinsicht als wichtiger Sponsor des Flößerwesens zeigt, vor. Auf dem Gelände gab es dann einen fulminanten Grillabend, bei dem es an nichts fehlte.

Gleichzeitig wurde dort auch die Kunst des Wiedendrehens vorgeführt. Hierbei werden dünne Tannenstämmchen erhitzt und mit Muskelkraft gedreht. So entstehen flechtfähige „Stricke“, die früher zum Verbinden der Baumstämme benutzt wurden. Zwei von uns trauten sich und drehten jeweils gemeinsam mit einem bärenstarken jungen Hobbyflößer eine Wiede, ein tolles Erinnerungsstück.

Am folgenden Tag wurde es dann offiziell. Die mitgereisten Gäste fuhren per Bus in die Goldstadt Pforzheim und genossen das „Damenprogramm“. Sie kehrten begeistert zurück. Im Mittelpunkt dieser Tour stand der Besuch der Ausstellung ROM 312 im Gasometer einschließlich eines gediegenen Sektempfangs.
Gleichzeitig fand in Unterreichenbach die Mitgliederversammlung statt, die mit einem hochinteressanten Fachvortrag beendet wurde.


Und für die Weserflößer wurde es besonders spannend, da bei dieser Versammlung die Entscheidung fallen musste, wo der Flößertag 2020 stattfinden wird. Wir hatten uns beworben. Die Abstimmung war eindeutig. Alle stimmten für Reinhardshagen. Wir können stolz sein.

Bevor es soweit sein wird, treffen wir uns alle im nächsten Jahr in Brandenburg bei Finowfurt zur nächsten Veranstaltung.

Am Nachmittag waren wir auf den Höhepunkt des Wochenendes, die Floßfahrt auf der Nagold gespannt. Statt großer Flöße wird hier ein Gestör aus mehreren Kleinflössen zusammengebunden. Das hatten wir noch nicht erlebt. Die Sache ist nicht frei von Gefahren. Deshalb wurden auch die Veranstalter unruhig. Von jedem Flößerverein konnte eine Person mitfahren. Martin Schmidt zeigte Mut und war dabei.

Als dann die Wehre der aufgestauten Nagold gezogen wurden und das Floß in Bewegung kam, konnten wir die Begeisterung der zahlreichen Zuschauer am Ufer teilen. Eine eindrucksvolle Sache, die hervorragend geklappt hatte.

Beim anschließenden bunten Abend in der Festhalle war die Stimmung deshalb von Beginn an sehr gut. Eine kopfzahlreiche, junge Musikkapelle einschließlich zweier Sänger versorgte uns unermüdlich mit Musik, die Bewirtung klappte bestens, ein Leben wie im Paradies.

Erschrecken konnten uns eigentlich nur die Köhlerhexen, die mit martialischen Masken, aggressiven Klängen und imponierender Parterreakrobatik ihr Können zeigten.
Am Sonntag ging es dann wieder nach Hause.

Was ist geblieben? Wir erlebten Tage getragen von hingebungsvoller Gastfreundschaft und eine wunderbare kameradschaftliche Begegnung mit den anderen Flößergemeinschaften Deutschlands.

Und wir spürten die Neugier dieser Leute auf die Oberweser und ein Wiedersehen im Jahr 2020. Wir haben sie mit offenen Armen eingeladen und kräftig für die Region geworben.

Wir sind gespannt.
 

33. Deutscher Flößertag 2020 in Reinhardshagen.
 


Von Jupp Rapp - 09.01.2018

Ein neues Flößerjahr liegt vor uns

Jahreshauptversammlung 2018

Am 6. Januar trafen sich die Weserflößer Reinhardshagen zur Jahreshauptversammlung 2018. Eckhard Meyer leitete als 1. Vorsitzender die Veranstaltung und führte durch die satzungskonformen Formalitäten bis zu seinem Jahresbericht für das Jahr 2017.
Er schilderte noch einmal die Geschehnisse dieses Jahres, bedankte sich ausdrücklich bei den Organisatoren der Dankeschönfeier für das Weserfloß 2016 im Vereinsheim des Tennisvereins Reinhardshagen e. V. und lobte dabei besonders die Familie Christa, Manfred und Martin Schmidt.
 

Natürlich wurde auch noch einmal die Teilnahme am 30. Deutschen Flößertag in Wolfratshausen beleuchtet, die für den Verein insgesamt aber auch für die einzelnen Teilnehmer ein voller Erfolg mit interessanten Erlebnissen und Kontakten geworden ist.

Die Kontaktpflege zu den Organisatoren des Blauen Bandes der Weser in Minden, der Marinekameradschaft Bodenfelde und den örtlichen Vereinen in Reinhardshagen war ein wichtiger Punkt des Vereinslebens.

Bernd Kröhnert als kommissarischer Schatzmeister konnte eine solide Bilanz ziehen. Die Kassenprüfer bestätigten ihm eine korrekte Amtsführung. Er und der gesamte Vorstand wurden entlastet.

Satzungsgemäß standen Neuwahlen an. Eckhard Meyer wurde als 1. Vorsitzender wiedergewählt. Als neuer 2. Vorsitzender setzte sich Ralph Knöpfel durch. Bernd Kröhnert wurde nun offiziell als Schatzmeister gewählt.

Für das laufende Jahr steht die Teilnahme am 31. Deutschen Flößertag in Unterreichenbach im Nordschwarzwald im Vordergrund. Die Einladung der Talhubenflößer Unterreichenbach liegt vor. Vom 6. bis zum 9. September wird ein abwechslungsreiches Programm geboten. Höhepunkt wird die Floßfahrt von der Nonnenwag-Wasserstube nach Unterreichenbach auf der Nagold werden. Dort wurde wegen der Gewässerverhältnisse früher traditionell mit einem „Geleitzug“ von kleineren Flößen gearbeitet. Die Bilder dieser Technik sind aus Flößerdokumentation im Fernsehen und Büchern weithin bekannt. Wir sind gespannt.

Bei diesem Treffen wird auch über die Vergabe des 33. Deutschen Flößertages im Jahr 2020 entschieden. In Wolfratshausen hatten wir der Flößergemeinde unser Interesse an der Übernahme dieser Veranstaltung angekündigt und gefragt, ob es andere Bewerber gibt. Das war nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, der große Applaus der Versammlungs-teilnehmer signalisierte, dass es deutliches Interesse an einem Besuch unserer Oberweser gibt. Die Uhr tickt also schon, die Arbeiten sollten nicht auf die lange Bank geschoben werden.
 


Von Jupp Rapp - 09.01.2018

Die Weserflößer in einem Tempel der Wissenschaft

Ein bißchen stolz sind wir schon. Jörg Winkler aus Göttingen hat sich nach seinem Eintritt in den Ruhestand intensiv mit der Fotografie beschäftigt und als fotografische Schwerpunkte Themen aus der Region gesucht. Dabei sind beeindruckende Fotos und ein Buch über die Oberweser entstanden.
Im Rahmen seiner Recherchen ist er auch zu den Weserflößern gestoßen und hat dann den Bau des Weserfloßes 2016 aufmerksam begleitet und dokumentiert. Er war uns stets willkommen.
Jetzt ist im Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie am Faßberg (Rich-tung Nikolausberg) bis zum 16. Februar eine Ausstellung seiner Bilder zu sehen.
Unter dem Thema “Historische Treppen und Entstehung eines Floßes“ sind einerseits im-posante Göttinger Treppenhäuser aus der Gründerzeit und einfühlsame, wirklich tolle Motive unseres Floßbaus 2016 zu sehen.
Man kann diese Ausstellung im frei zugänglichen Eingangsbereich des Instituts montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besuchen. In der Cafeteria nebenan gibt es Speis´ und Trank.
Wir freuen uns aus zwei Gründen. Einmal darüber, dass der akribisch arbeitende Fotograf an seinem früheren Arbeitsplatz seine Bilder zeigen kann. Und dann, weil dieses Max-Planck-Institut als „Nobelpreisträgerschmiede“ weltweiten Ruf genießt. Wir können also mit unseren Anliegen zur Region, zur Landschaft und zur Flößerei eine Zielgruppe erreichen, zu der wir sonst wohl kaum einen Zugang bekommen.
Wer also nach Göttingen kommt, sollte einen Abstecher zu dem Institut machen, den Duft der Grundlagenforschung schnuppern und die Fotos auf sich wirken lassen.

 


Von Jupp Rapp - 13.06.2017

 Flößerei im Aufwind - 30. Deutscher Flößertag in Oberbayern


Vom 18. bis zum 21. Mai 2017 fand in der ehemaligen Kreisstadt Wolfratshausen an Isar und Loisach der 30. Deutsche Flößertag statt. Mehr als 150 Flößer aus allen Teilen Deutschlands nahmen teil. Die Weserflößer Reinhardshagen waren mit 12 Männern vertreten. Volker Zoerb, der stellvertretende Vorsitzende der DLRG Minden, mit der uns seit Jahren eine enge Zusammenarbeit verbindet, stieß zu uns und erlebte wie wir eine interessante Veranstaltung gekennzeichnet von Kameradschaft, Gastfreundschaft und der Faszination zur Flößerei.
 

Die Deutsche Flößerei-Vereinigung e. V.

Veranstalter des Treffens war die Deutsche Flößerei-Vereinigung e. V. Diese Organisation wurde 1992 in Höxter gegründet. Dieser Termin hat auch etwas mit Reinhardshagen zu tun, denn vorher im Frühjahr 1992 fand die Floßfahrt von Veckerhagen nach Bad Oeynhausen statt. Anlass war die Einweihung des Flößerdenkmals an der Werremündung in dieser Stadt. Einige Bürger aus Reinhardshagen erinnern sich noch lebhaft an diese Veranstaltung, bei der das Floß beim Hotel Peter mit den Sagenfiguren der Region, Jagdhornbläsern des Forstamtes und viel Prominenz auf die Reise geschickt wurde.

Der Kulturbund Bad Oeynhausen hatte das Projekt in Angriff genommen und dabei das Forstamt Reinhardshagen um Unterstützung gebeten. Das klappte reibungslos. Das Holz kam aus dem Reinhardswald.

Anschließend kam es dann zur Vereinsgründung, bei der Hans-Walter Keweloh aus Bremerhaven  zum Vorsitzenden gewählt wurde. Das blieb er bis zum 20. Mai 2017 und hat in einem beispiellosen Einsatz mit ungeheurer Unterstützung durch seine Frau Nicola Borger-Keweloh die Geschichte der Flößerei gründlich aufgearbeitet, ihr in der Fortführung ihrer geschichtlichen Bedeutung wichtige Impulse gegeben, zahlreiche Aktivitäten angestoßen und koordiniert.

Mit ihm und seiner Frau verbindet uns hier an der Oberweser ein freundschaftliches Verhältnis, das für uns unheimlich wichtig ist.

Und er ist auch der Motor, mit dessen Kraft es gelang, die Flößerei in die Liste des immateriellen Kulturerbes zu befördern.

Und passend zur Veranstaltung brachte er eine Kiste druckfrischer Exemplare des gerade erschienenen Wörterbuchs der Flößerei mit, einer wahren Fundgrube für Floßinteressierte, für das er auch verantwortlich zeichnete.
 

Der Veranstaltungsort Wolfratshausen

Diese Stadt im südlichen Speckgürtel Münchens zeigte sich als idealer Gastgeber. Sie bezeichnet sich selbst in ihrer Imagewerbung als Flößerstadt und liegt damit goldrichtig. Überall trifft man auf Zeugnisse der Floßgeschichte. In zahlreichen Veröffentlichungen ist dieses Handwerk dort ausführlich beschrieben. Dabei wird auch auf den Aufbau Münchens verwiesen, der ohne Flößerei nicht möglich gewesen wäre. Und die Stadt organisierte und betreute die Tagung professionell. Das Tagungsbüro in der Loisachhalle war Anlaufstelle und Treffpunkt. Der Bürgermeister war stets zur Stelle und nahm auch an der Floßfahrt teil. Ralph Knöpfel überbrachte ihm die Grüße unseres Bürgermeister Fred Dettmar und besprach mit ihm die kommunalen Verhältnisse in unserer Gemeinde.

Überall erlebten wir eine aufmerksame Hotellerie und Gastronomie. Immer wieder kam die Frage, wie es uns gefalle und die Aufforderung, auf jeden Fall wieder zu kommen.

Und hier in Wolfratshausen ist die Flößerei auch ein Wirtschaftsfaktor. Schließlich betreiben drei Familienbetriebe von Mai bis in den September die Touristenflößerei nach München, etwa 500 Fahrten pro Jahr.

Die Flöße sind rund 20 Festmeter groß, werden am Startort zusammengebaut und am Ziel in München wieder blitzschnell abmontiert und auf die Holztransporter verladen. Nach einem Jahr wird das Holz verkauft und ersetzt.

Und mit diesen Floßfahrten wird Umsatz gemacht. Teilnahmegebühr, Speisen und Getränke und die Musikkapelle an Bord kosten Geld. Als Faktor für den Tourismus ist dieses Segment unverzichtbar. Auch wir mussten Vorurteile über Bord werfen. Diese Floßfahrten sind mehr als alkohohlgeschwängerte Events am Rande der Zumutbarkeit, wie man dieses Geschäft medial häufig beschreibt. Deshalb kann man sie mit ruhigem Gewissen empfehlen.
 

Unsere Floßfahrt

Auch wir nahmen an solchen Floßfahrten teil.

Morgens ging es an der Loisach in Wolfratshausen los. Die Flößer arbeiteten fieberhaft, um das Floß startklar zu machen, die Verpflegung aufzunehmen und die Aufbauten zu richten.

Dann ging es los. Weite Strecken der Fahrt verlaufen in Kanälen parallel zur Isar. Die Wasserstände auf den Alpenflüssen und die natürliche Gewässerentwicklung machen ein Flößen in historischer Form dort unmöglich. Auf diesen Kanälen geht es beschaulicher zu. Die Geschwindigkeit ist gering, gefährliche Stromschnellen gibt es dort nicht. Man gleitet durch eine Auwaldlandschaft begleitet von Radlern und Joggern.

Aber dann kommen die Floßrutschen. Die größte ist auch die größte Europas, überwindet einen Höhenunterschied von 18 Metern und ist 350 Meter lang. Hier wird es ernst. Die Spannung steigt. Es wird ein echtes Abenteuer. Wer in den ersten Reihen sitzt wird klatschnass. So erging es auch uns.

Nach einem Zwischenstopp in einem Biergarten erreichten wir den Landepunkt in Thalkirchen, eigentlich schon mitten in München. Ruck zuck war das Floß demontiert und fuhr zurück nach Wolfratshausen. Auf uns wartete der Reisebus für die Rückfahrt nach Wolfratshausen. Ein interessanter Tag ging zu Ende.
 

Das restliche Tagungsprogramm

Abends gab es in der Loisachhalle einen bayerischen Abend mit Musik und all dem, was man sich von so einem Abend erwarten kann. Das bekommen die Bayern problemlos hin.

Und an diesem Abend wurde auch Hans-Walter Keweloh verabschiedet, der angekündigt hatte, nach 25 Jahren den Vereinsvorsitz abzugeben. Bewegende Worte und die Übergabe von Geschenken sorgten für die entsprechende Stimmung. Solche Stunden erlebt man nur selten.

Am nächsten Tag musste bei der Mitgliederversammlung also ein neuer Vorstand gewählt werden. Dank der umsichtigen Vorbereitung war das kein Problem. Der neue erste Vorsitzende wurde der bisherige zweite, Martin Spreng aus Altensteig im Schwarzwald.

Und dann luden die Flößer aus Unterreichenbach an der Nagold im Nordschwarzwald zum nächsten Flößertag 2018 in ihrer Gemeinde ein. Und im Jahr danach geht es ins brandenburgische Finowfurt in die Schorfheide, wo eine interessante geschichtliche Floßproblematik auf uns Besucher wartet.

Aber keine Angst, auch die Weserflößer kamen zu Wort. Eckard Meyer beschrieb unsere Überlegungen, den Flößertag auch einmal an der Weser abzuhalten und bekam spontan starken Beifall aus der Versammlung.
 

Johanni-Prozession

Ein Ereignis der besonderen Art wurde die alle drei Jahre stattfindende Johanni Prozession der Flößer zu Ehren des heiligen Nepomuk, ihres Schutzpatrons.

Vor Einbruch der Dunkelheit fand eine Messe statt. Dann formierte sich ein Festzug, an der auch unsere Leute teilnahmen, am Loisachufer. Gleichzeitig starteten drei beleuchtete Flöße mit den Floßfamilien, der örtlichen Prominenz und in diesem Jahr auch mit Teilnehmern aus den Flößervereinen zum Festgelände, wo die Vertreter der Kirchen, Böllerschützen und eine 60köpfige Musikkapelle ein eindrucksvolles Programm absolvierten. Unsererseits geschätzt 20.000 Menschen standen an den Ufern und auf den zahlreichen Brücken, um diesem Ereignis beizuwohnen.
 

Eindrücke

Die Fahrt nach Bayern hat sich gelohnt und wurde zu einem Erlebnis.

Die Flößerei gewinnt an Interesse. Das bestätigt unsere örtlichen Erfahrungen an der Oberweser. Und wir aus Reinhardshagen und Oberweser haben uns in der Szene einen Namen gemacht. Man verfolgt unsere Aktivitäten und hat uns in den Kreis der deutschen Flößervereine aufgenommen. Das freut uns und bestärkt uns in unseren Aktivitäten. Die Berichterstattungen in den Medien sind aufgenommen worden, unsere Floßbroschüre fand große Beachtung.

An diesem Brett sollten wir weiter bohren. Mit der Oberweser und ihren Waldgebieten haben wir ein Pfund in die Waagschale zu werfen, mit der Floßgeschichte der Weser haben wir ein solides Fundament zu bieten und Werbung für unsere Region zu machen, liegt uns sehr am Herzen. Das könnte gelungen sein.
 

Fast alle Teilnehmer auf einem Gruppenbild an der Loisach
 

Gute Stimmung auf dem Floß
 


Von Jupp Rapp - 03.04.2017

Unerwartetes Lob

Das hatten wir Weserflößer alle nicht erwartet, umso größer war die Freude.

 

Holger Weinert, ein Mann mit außergewöhnlich hohem Bekanntheitsgrad und ebenso hohem Sympathiekoeffizienten hat das Rentenalter erreicht. Sein Gesicht hat das Bild der "Hessenschau" des "hr" geprägt. Seine Adelsberichte und Landschaftsbeschreibungen gehören zum Profil des Senders. Als Besitzer eines kleinen Bootes liegen ihm die hessischen Flüsse besonders am Herzen.

Und so lernten wir uns kennen. Vor fünf Jahren kam er mit seinem Team für die mehrteiligen Flussgeschichten für einige Tage an die Weser. Die Weserflößer waren sofort zur Unterstützung bereit. Egal, ob am Fluss gedreht wurde, Personen in Szene gesetzt worden sind oder Kontakte geknüpft werden mussten. Es war eine höchst angenehme kameradschaftliche Zusammenarbeit, die uns allen in bester Erinnerung geblieben ist.

Sein Schritt ins Rentnerdasein ist innerhalb und außerhalb des Senders mit großer Aufmerksamkeit begleitet worden. So hat auch die HNA am 31. März 2017 auf vier Spalten ein Interview mit ihm gedruckt, über dessen Inhalt wir dann angenehm überrascht waren.

In der vorletzten Frage heißt es: „Sie haben Hessen viel bereist. Gibt es eine Gegend, die Sie besonders schätzen?
 

Seine Antwort war klar und deutlich: „Zwei Flüsse: die Weser, mit den wunderbaren Flößern und schönen Orten wie Vaake und Veckerhagen. Das ist eine Urlandschaft, wo man noch Jahrhunderte spürt. Wie die Fähre übersetzt, hat etwas Beruhigendes.“


Diese Aussage einer neutralen Persönlichkeit sollten wir beachten. Holger Weinert macht uns auf das Kapital unserer Oberweser aufmerksam. Diesen Ball sollten wir aufnehmen und nutzen. Wir brauchen uns mit dem, was wir zu bieten haben, nicht zu verstecken.

Holger Weinert, herzlichen Dank!

 

 

 

Abschied auf der Weserfähre am 20. Mai 2012

 

Interview mit den Weserflößern und Bürgermeister Fred Dettmar im April 2012
 

Interview mit Eckhard Meyer an der Weserfähre im April 2012

 


Von Jupp Rapp - 22.03.2016

 Weserflößer Reinhardshagen sind nun e. V.
 

Die Weserflößer Reinhardshagen sind nun ein eingetragener Verein.

Seit mehr als 20 Jahren ist die Gruppe floßbegeisterter Männer aus Reinhardshagen und Gieselwerder dem Räderwerk des Vereinsrechts aus dem Weg gegangen. Auf der Basis echter Männerfreundschaft und gegenseitigen Vertrauens haben sie ihre vielseitigen Aktivitäten im Weserraum und an der österreichischen Drau organisiert.

Höhepunkte ihrer Arbeit waren die Weserflöße 2008 von Reinhardshagen nach Bremen und 2009 von Reinhardshagen nach Minden. Sie erzeugten bei diesen spektakulären Projekten ein gewaltiges Medienecho und lockten Zehntausende von Zuschauern an die Weser. Die Werbung für den Fluss und die Landschaft wirkt noch heute nach. Diese Floßfahrten waren nicht nur kräftezehrend und verlangten vollen Einsatz aller Flößer. Sie erforderten auch erhebliche finanzielle Bewegungen, die abseits des Vereinsrechts nur mit dem persönlichen Risiko der Flößer zu leisten waren.

Deshalb entschlossen sich nach langer Diskussion die Mitglieder dieses Freundeskreises zur Gründung eines Vereins. Die erfolgte am 8. Januar 2016 in Vaake. 14 Personen waren anwesend und unterschrieben das Gründungsprotokoll und die Satzung. Als Vereinszweck ist die Aufarbeitung und Bewahrung des Flößerhandwerks im Sinne der Bedeutung als immaterielles Kulturerbe und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten im In- und Ausland genannt. Dazu zählt auch die Aufklärung über die Wechselwirkungen von Wasser, Wald, Holz, Landschaft und Sozialgeschichte sowie die Logistik der Flößerei mit ihrer Energiebilanz im Sinne praktizierter Nachhaltigkeit.

Bei den Vorstandswahlen wurden Eckhard Meyer zum ersten Vorsitzenden, Peter Klesper zum zweiten Vorsitzenden und Hans Bergmann zum Schatzmeister gekürt.

Die bürokratischen Hürden konnten zügig genommen werden. Das Registergericht trug den Verein Weserflößer Reinhardshagen e. V. in das Vereinsregister ein. Das Finanzamt bestätigte die Gemeinnützigkeit.


 


Von Jupp Rapp - 22.12.2015

Willi Waßmuth ist tot

Gieselwerder. Willi Waßmuth ist tot. Der Mann, der in den letzten 45 Jahren der Flößerei an der Oberweser ein Gesicht gab und als populärster Flößer Deutschlands bezeichnet werden darf, ist im Alter von 95 Jahren verstorben.


Floßbau 2003 in Veckerhagen

Als Sohn eines Waldarbeiters wuchs er in Gieselwerder auf und wurde von der Landschaft der Oberweser geprägt. Er war Inhaber eines der letzten Weserschifferpatente für Floßführer. Es galt von Hann. Münden bis Minden. Er machte sich selbstständig und übte diesen Beruf von 1951 bis 1959 aus. Vorher und hinterher arbeitete er im Gartenbau. Ab 1983 war er Vorarbeiter auf dem Bauhof der Gemeinde Oberweser.

Die Flößerei, die als Gewerbe 1964 auf der Weser beendet wurde, ließ ihn aber nicht los. 1971 wurde ein Nostalgie- und Werbefloß am Tivoli in Hann. Münden eingebunden. Er und die erfahrenen Floßführer Gustav Waldeck und Karl Meyer waren zur Stelle und lenkten die 120 Festmeter Fichtenholz nach Lübbecke. Das Medienecho soll riesengroß gewesen sein.

1976 erwartete ihn die nächste Herausforderung. Theodor Fontanes Novelle „Grete Minde“ wurde an Werra und Weser verfilmt. Für die Floßszenen, die eine wichtige Rolle darstellten, hatte sich Willi Waßmuth zur Verfügung gestellt. Er war begeistert bei der Sache.

1992 ging es weiter. An der Mündung der Werre in die Weser bei Bad Oeynhausen sollte ein Flößerdenkmal eingeweiht werden. Ein Floß mit den Ausmaßen 47 x 7 Meter wurde in Veckerhagen eingebunden und  zur Einweihungsfeier auf die Reise geschickt. Es wurde von 20.000 Menschen erwartet. Willi war der Dreh- und Angelpunkt des Projekts.

2002 rückte er dann selbst ganz in den Mittelpunkt. Der NDR plante einen Flößerfilm. Unter dem Titel „Willi´s letzte Floßfahrt“ entstand ein stimmungsvoller, sehr persönlicher Beitrag, der in sämtlichen ARD-Anstalten mehrfach wiederholt wurde. Im Juni 2003 startete dieses Floß in Veckerhagen. Zielort war Bodenwerder.


Floßbau 2003 in Veckerhagen


Bei diesem Floßprojekt standen Willi die Weserflößer Reinhardshagen zur Seite. Auf diese Gruppe aus unterschiedlichsten Berufen sprang dann der Funke über. Das führte zu den Floßprojekten 2008 von Veckerhagen nach Bremen und 2009 von Veckerhagen nach Minden.

Alles andere als kamerascheu hat Willi Waßmuth sehr viel für unsere Region getan. Er kam bei den Leuten an, wusste viel zu erzählen und wurde verstanden. Er war ein exzellenter Werbeträger. Ihn bei seinen Projekten begleiten zu können war eine Freude. Ihn als Freund bezeichnen zu dürfen war eine Ehre. Dass es gelang, die Flößerei als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu bekommen, ist Leuten mit seiner Einsatzbereitschaft zu verdanken. Die jeweils „letzten Weserflöße“ wurde zu einem attraktiven Blick in die Kultur- und Sozialgeschichte entlang der Oberweser, in eine uralte Handwerkskunst, in die fundamentale Bedeutung des Rohstoffes Holz und in die Psyche der echten Typen, die das alles verkörpert haben.


Floßfahrt 2003

Fotos: Archiv Weserflößer Reinhardshagen
 


Von Jupp Rapp - 14.12.2014

„Flößerei“  im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission

Anerkennung für die Arbeit von Flößern und Floßvereinen
 

In einer Pressemitteilung am 12. Dezember 2014 gaben die aktuelle Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann, und die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, die Aufnahme der „Flößerei“ in das „Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission“ bekannt.


Kultusministerkonferenz und Staatsministerium waren mit dieser Aufnahme der Empfehlung eines unabhängigen Expertenkomitees gefolgt. Die „Flößerei“ ist laut Schreiben der Deutschen UNESCO-Kommission anerkannt als „gesellschaftliche und regionale Wissenstradition, die über praktische wie theoretische Erfahrungen vermittelt wird, ländliche mit städtischen Wirtschaftsbereichen verbindet und durch touristische wie freizeitliche Betätigungs- und Erlebnisformen lebendig gehalten wird“.

 

Nachdem im Jahr 2013 die Bundesrepublik Deutschland dem 2003 von der Generalkonferenz der UNESCO beschlossenen Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes   beigetreten war, ist gemäß der mit dem Beitritt eingegangen Verpflichtung das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“  erstellt worden.

 

Auf dem Deutschen Flößertag 2013 im brandenburgischen Lychen beschlossen die Mitglieder der Deutschen Flößerei-Vereinigung sich in dem von Mai 2013 bis Dezember 2014 laufenden ersten Bewerbungs- und Aufnahmeverfahren einen Antrag auf Anerkennung der Flößerei als Kulturerbe zu stellen. Diesen Antrag reichte die Kulturbehörde des Landes Bremen, das Sitzland der Vereinigung ist, ein.

 

Aus der Vielzahl eingegangener Bewerbungen wählten die Bundesländer in einem ersten Schritt 83 Traditionen und Wissensformen aus und gaben diese zur Begutachtung an das Expertenkomitee bei der Deutschen UNESCO-Kommission weiter. Nach eingehender  fachlicher Bewertung reichte diese Kommission eine Liste an die Auftraggeber zurück, die schließlich mit 27 aufgenommenen Kulturformen den Kommissionsempfehlungen folgte.

 

Diesen Kulturformen, darunter der Flößerei, bescheinigte die Staatsministerin, dass sie „Ausdruck der kulturellen Vielfalt in Deutschland“ seien. Nach ihren Worten gehören so auch die Mitglieder der Deutschen Flößerei-Vereinigung, die vielen aktiven Flößer in den Floßvereinen, Flößervereinigungen und –zünften vor Ort zu denjenigen, die dazu beitragen, „dass gelebte Traditionen, die das Selbstverständnis der Kulturnation Deutschland prägen, erhalten, fortgeführt und weiterentwickelt werden“. Sie machen die allgemeine Bedeutung  der Flößerei in Vergangenheit und Gegenwart einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

 

 


Von Jupp Rapp - 25.06.2013

Hessentagsfloß 2013 fiel ins Wasser

Der Plan der Männer aus Reinhardshagen und Oberweser, anlässlich des Hessentags und des Kasseler Stadtjubiläums ein Floß in den historischen Ausmaßen im Hessentagsgelände am Fuldaufer zu bauen und dann von dort bis nach Minden zu fahren, stieß überall auf begeisterte Zustimmung. Das Organisationskomitee des Hessentags war sofort zur Unterstützung bereit. Selbst der hessische Ministerpräsident zeigte großes Interesse.

Unter Zeitdruck gingen die Flößerfreunde ans Werk, nahmen Kontakte mit Institutionen, potenziellen Unterstützern und den Medien auf. Auf der Suche nach einem geeigneten Schirmherrn sprachen sie Wilfried Sauerland an. Seine Zusage motivierte die Mannschaft zusätzlich. Außerdem wurden zur personellen Verstärkung und zur Senkung des Durchschnittsalters vier weitere „Jungflößer“ in ihren Kreis aufgenommen.

Besonders wichtig war die Beschaffung des Fichtenstammholzes. Da hatte man mit Hessen-Forst und dem Forstamt Reinhardshagen sofort kräftige Unterstützung zur Seite. Im Schwarzen Loch lagen deshalb in kurzer Zeit rund 100 Festmeter besten Fichtenholzes auf dem Boden. Dafür möchten sich die Flößer an dieser Stelle besonders bedanken.

Wo soviel Licht ist, gibt es auch Schatten. Wie ein Donnerschlag traf sie die Meldung, dass die Kasseler Stadtschleuse wegen Baufälligkeit gesperrt und auf unbestimmte Zeit geschlossen werden muss. Da mit dieser Entscheidung der Weg von der Fuldaaue nach Norden unpassierbar wurde, musste gehandelt werden.

Nach langen Diskussionen entschloss man sich gerade noch rechtzeitig, das Projekt zu stoppen. Die Suche nach Alternativen zum Einbindeplatz unterhalb der Schleuse führten zu keinem Ergebnis. Das Fichtenholz musste wegen der Borkenkäfergefahr unbedingt geschält werden. Deshalb war man der Leitung des Forstamtes dankbar, dass sie diesen Posten dann anderweitig vermarktet hat.

Die schwierige Entscheidung stieß überall auf großes Verständnis. Die Entwicklung der letzten Wochen hat die Flößer bestätigt. Die Schleuse ist immer noch nicht instandgesetzt.

Es gab aber noch andere Betroffene. Überall auf dem Weg bis nach Minden hatten Städte, Gemeinden und Vereine sofort großes Interesse an einer Zusammenarbeit angemeldet.

Der Hessentag ging dann aber doch nicht ganz ohne die Weserflößer über die Bühne. Sie beschlossen, sich für den Hessentagsfestumzug anzumelden. Das ist nicht ganz so einfach. Um so mehr haben sie sich über die Zulassung gefreut. Sie machten sich ans Werk und gestalteten einen Motivwagen. Da kam es auf jedes Kilogramm an. Schließlich ist Holz ebenso schwer wie die Flößermannschaft. Aus echtem Nadelholz wurde ein Floßmodell gezimmert, das sofort von den Hessentagsgästen erkannt wurde. Die Schriftbanner, der Fahnenmast und die Flagge von Reinhardshagen machten unübersehbar Werbung für die Gemeinde, die Region Reinhardswald und das Wesertal.

Mehrere Stunden lang ging es dann im Floßtempo durch die Kasseler Straßen. Überall standen die Menschen dicht gedrängt entlang der Zugstrecke. Der Flößerwagen erhielt immer wieder Szenenapplaus.

Dazu passt dann auch, dass die Besatzung sich schnell entschloss, den bewährten „Wesertaler“ aus Erlenholz von der Floßfahrt 2008 an den Ministerpräsidenten zu überreichen. Das erledigten Bürgermeister Fred Dettmar, der von Beginn des Projekts an mit Rat und Tat beteiligt war und Flößer Eckhard Meyer.        

 

 


Von Eckhard Meyer - 12.05.2013

Vortrag und Exkursion zum Thema Flößerei im Weserraum
 
Flößerei nach 1964: "Mit den Flößen bergauf  oder reine Nostalgie?"
 
Auf der Weser ist länger als auf allen anderen deutschen Flüssen geflößt worden.
Die Bedeutung dieser Transporttechnik für Mitteleuropa ist hinreichend bekannt.
Im Weserraum sind die Erinnerungen an die Langholz-Flößerei immer noch sehr lebendig. Die Weserflößer haben durch die Floßfahrten 2003 von Reinhardshagen bis Bodenwerder, 2008 von Reinhardshagen bis Bremen und 2009 von Reinhardshagen bis Minden bundesweite mediale Aufmerksamkeit erregt. Die übergroße Resonanz in der Bevölkerung gab den Anstoß für eine weitere Floßfahrt, die 2013 anlässlich des Hessentages von Kassel über Fulda und Weser bis nach Minden führen soll. Die Saalveranstaltung führt in dieses Projekt ein.
 

So. 12.05.2013,  17:00 - 19:15,  gebührenfrei
Eckhard Meyer, Weserflößer Reinhardshagen
Reinhardshagen-Veckerhagen, Hotel Peter, Untere Weserstr. 2, Saal
 
 
www.vhs-region-kassel.de
 

 


Von Jupp Rapp - 24.03.2013

Weserflößer ziehen die Reißleine


In einer Krisensitzung am heutigen Sonntag haben die inzwischen 20 Weserflößer aus Reinhardshagen und Oberweser beschlossen, die Arbeiten für das Hessentagsfloß 2013 sofort zu stoppen. Sie hatten geplant, ein Floß aus Fichtenstämmen in den historischen Ausmaßen während des Hessentags in der Kasseler Fuldaaue zu bauen und dann von dort auf die lange Reise bis nach Minden zu schicken. Sie wollten dabei nicht nur die Technik des uralten Flößerhandwerks demonstrieren sondern auch die enge Bindung Kassels an die Fulda unterstreichen.

Die Resonanz auf dieses Projekt war mehr als positiv und motivierte die holz- und heimatverbundenen Männer, die bereits 2003, 2008 und 2009 erfolgreiche spektakuläre Floßfahrten sogar bis nach Bremen organisiert hatten, zusätzlich. Kommunen und Vereine entlang der Fahrstrecke hatten sofort Unterstützung signalisiert. In Kassel und Umgebung stießen sie auf eine Welle begeisterter Zustimmung.

So hatte nicht nur Hessen-Forst sondern dann auch die Forstverwaltungen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Unterstützung zugesichert. Das Floßholz selbst liegt bereits im Reinhardswald und muss nun eine andere Verwendung finden.

Warum haben sich die Männer von der Oberweser zu diesem Schritt entschlossen?

Es geht um die Kasseler Stadtschleuse. Wie ein Schock traf sie eine Pressemitteilung vom 18. März 2013 über den maroden Zustand der Kasseler Stadtschleuse. Und dadurch erfuhren sie auch, dass diese Schleuse vorläufig gesperrt sein würde. Die Dauer dieser Sperrung und eine Antwort auf die Frage, ob diese Schleuse überhaupt jemals wieder in Betrieb genommen werden wird, konnten sie dieser Meldung nicht entnehmen.

Da das Floß oberhalb dieser Schleuse gebaut werden sollte, war ihr Projekt fundamental von dieser Entscheidung betroffen.

Eine Woche intensivsten Verhandelns und der Suche nach Alternativen folgte. Niemand konnte garantieren, dass die Schleuse bis Mitte Juni wieder betriebsbereit ist. Darunter leiden ja bezüglich des Hessentags nicht nur die Flößer.

Einen geeigneten Bauplatz unterhalb der Schleuse fanden die „Späher“ der Weserflößer leider nicht. Und je weiter sie sich damit vom Aktivitätsraum des Hessentags entfernen, desto weniger können sie ihr eigentliches Anliegen umsetzen. Sie würden damit schon fast zu einer Konkurrenzveranstaltung werden und das war nun überhaupt nicht geplant.

Die Entscheidung ist den Teilnehmern dieser entscheidenden Sitzung nicht leicht gefallen. Sie hatten zum Teil schon ihre Urlaubsplanungen darauf eingestellt und von den schönen Stunden beim Bau und dann bei der Floßfahrt geträumt.

Deshalb gab es auch eine anregende Diskussion über andere Anlässe in nächster Zeit, zu denen man ein Floß bauen könne. Näheres dazu möchten sie aber noch nicht preisgeben.

Jedenfalls danken sie den zahlreichen Organisationen, Firmen, Behörden und Einzelpersonen herzlich, die ihnen Hilfe zugesichert hatten, die sie auch gern angenommen hätten.



ViSdPG.: Hermann-Josef Rapp, Leipziger Str. 15, 34359 Reinhardshagen,
            Telefon 05544-1011


 


Von Jupp Rapp - Im Januar 2013 

Weserflößer planen Hessentagsfloßfahrt 2013
 

Die Weserflößer Reinhardshagen planen nach den außergewöhnlichen Erfolgen der beiden Weserfloßfahrten von Reinhardshagen nach Bremen und von Reinhardshagen nach Minden in den Jahren 2008 und 2009 für den kommenden Sommer ein neues Floßprojekt.

Unter der Bezeichnung „Hessentagsfloß 2013“ soll es während des Hessentages am Fuldaufer in Kassel zusammengebaut werden. Am 22. Juni wird es ablegen und zur ersten der insgesamt zehn Etappen auf der Fulda und der Weser bis nach Minden ablegen.

Die Erinnerung an diese beiden früheren Floßfahrten ist nicht nur wegen der dabei entstandenen Fernsehbeiträge und Zeitungsberichte sondern auch wegen der unzähligen Gäste entlang des Flusses und an den Anhaltestellen bei zahlreichen Menschen erhalten geblieben. Die ständigen Fragen aus diesen Kreisen nach einer neuen Floßfahrt können jetzt also beantwortet werden.

Um fünf neue Floßfreunde verstärkt freuen sich die nun insgesamt 20 Weserflößer aus Reinhardshagen und Oberweser besonders, dass diese Floßfahrt in die Terminplanung des Hessentags eingebaut werden konnte und sich mit dem Startpunkt Kassel weitere wichtige Akzente bei der Themenstellung und Vermarktung des Vorhabens anbieten.

Allerdings müssen mit Rücksichtnahme auf die Schleusengröße der Fulda die Außenmaße des Floßes leicht reduziert werden. Deshalb wird es statt der historischen 100 Kubikmeter Holz auf rund 70 Kubikmeter Fichtenstammholz aus den Wäldern der Region beschränkt sein.

Standen im Jahr 2008 noch die „Schätze der Weser“ als Motto obenan, so wird es nach den Aussagen ihres Sprechers Eckhard Meyer in diesem Jahr den Flößern um den Slogan „Regional ist nicht egal“ gehen.

Damit werden die erfolgreichen Bemühungen des Standortmarketings in Nordhessen betont und Impulse für die zukunftssichere Entwicklung unseres Raums hervorgehoben.

Flößerei als uraltes, energieeffizientes, leistungsfähiges Transportverfahren, der Rohstoff Holz als unverzichtbare Grundlage für ein ganzes Zeitalter, die „Holzzeit“, und die sozial-kulturelle Entwicklung entlang der Flüsse unter dem Motto „Leben am und mit dem Fluss“ lassen sich am Beispiel der Flößerei gegenständlich vermitteln.
 
Schlagworte dieses Gedankenmodells sind:

•  Jubiläum „300 Jahre Prinzip der Nachhaltigkeit“ als Modell für die Lösung der Zukunftsprobleme weltweit

•  Kassel als Logistikstandort Nummer eins mitten in Deutschland

•  Kassel als attraktiver Wohnstandort im Grünen umgeben von herrlichen Wäldern

•  Die Welt der Brüder Grimm als Qualitätsbegriff in allen Erdteilen mit den wichtigen Elementen Wald und Wasser

•  Die Landschaft entlang von Fulda und Weser als Kapital für wertschöpfenden Tourismus

•  Lebensqualität auf den und entlang der Flüsse per Boot, Fahrrad oder vielleicht auch als Schwimmer

•  Die Lebensräume in den und entlang der Flüsse als Beitrag zur Verpflichtung zum Erhalt der Artenvielfalt

•  Die Weser als bedeutender Flößerfluss in ihrer Zukunft für die Weserschifffahrt

•  Und schließlich auch der ökologische Zustand von Werra und Weser am Beispiel der Salzeinleitung.

Auch zu dieser Floßfahrt wird eine umfangreiche, inhaltsreiche Broschüre erstellt, in der die Verzahnung von Kultur und Natur, von Wirtschaft und Regionalentwicklung sowie von kommunalen und geschichtlichen Besonderheiten dargestellt werden wird. Die Überschüsse dieses Heftes sind dringend nötig, um das Floßprojekt zu finanzieren, denn unter 20.000 Euro bekommt man ein solches Floß nicht ins Wasser.

ViSdPG.: Hermann-Josef Rapp, Leipziger Str. 15, 34359 Reinhardshagen,
            Telefon 05544-1011


Flyer zum Floßprojekt 2013


(Fotos von den Floßfahrten 2008 und 2009: - Archiv Weserflößer Reinhardshagen)
 
 


14.12.2012

Wallenfelser Resolution der Deutschen Flößerei-Vereinigung
 
Über Jahrhunderte hat die Flößerei eine herausragende Rolle für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Deutschland gespielt. In vielen Regionen hat sie das Aussehen der Landschaft sowie die Lebensweisen der Menschen maßgeblich geformt. Daher ist davon die Rede, dass der Zeitraum vor der Industrialisierung ein „hölzernes Gepräge“ gehabt hat. Landesherrschaftliche Wasser- und Floßrechte regelten den Betrieb der Flößerei und schützten deren Rechte.

In der Gegenwart zeugen in den Flößereiregionen unterschiedliche Arten von Wasserbauwerken in der Landschaft und in Ortsbildern an den Floßgewässern von der Flößerei. Hierzu gehören Industriebauten wie Flussverbauungen, Wehre und Floßteiche ebenso wie Floßherrenhäuser. Sie haben die Kulturlandschaft entscheidend geformt.

Die Arbeit der Flößer gehört zur immateriellen Kultur. Diese halten Floßvereine mit Floßfahrten und Triftflößerei in der Gegenwart lebendig.

Beides, Denkmalpflege der dinglichen Zeugnisse und Pflege der Arbeitsweisen, bedingt sich gegenseitig. Durch die Verbindung von Wasserbauten und deren aktive Nutzung wird das alte Gewerbe der Flößerei für die Nachwelt festgehalten und erfahrbar gemacht.

1974 verabschiedete die EU eine Entschließung zu gemeinschaftlichen Aktionen zur „Bewahrung des Kulturerbes“. Im EU-Vertrag von 1993 wurden in Artikel 151 die „Maßnahmen zur Erhaltung und Erschließung des kulturellen Erbes“, die von der Gemeinschaft unterstützt werden, geregelt.

Zu diesem kulturellen Erbe gehört neben den Baudenkmälern als dinglichen Zeugnissen auch ausdrücklich das handwerkliche Erbe als immaterielles Kulturgut. Darauf hat u.a. auch noch einmal die Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft in ihrer Weimarer Erklärung hingewiesen.

Diesen Forderungen folgt das UNESCO-Programm vom 17. Oktober 2003, das „Praktiken, Darbietungen, Kenntnisse und Fähigkeiten – sowie die damit verbundenen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume -, die Gemeinschaften, Gruppen und ggf. Individuen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen“ als schützenswert einstuft.

Die Deutsche Flößerei-Vereinigung als Dachverband der ihr angehörenden Floßvereine, Flößerzünfte und Kommunen fordert die Politikerinnen und Politiker in Bund, Ländern und Kommunen auf, sich in diesem Sinne entsprechend der rechtlichen Möglichkeiten für den Schutz des materiellen und immateriellen Kulturerbes der Flößerei einzusetzen.


Wallenfels, 14. September 2012
 
 

Flößer bei ihrer harten Arbeit                      (Fotos: Privat - Archiv Weserflößer Reinhardshagen)
 
 


Von Ralph Knöpfel - 09.05.2012

Reinhardshagen im HR Fernsehen

 

Im Frühjahr war der beliebte Fernsehmoderator Holger Weinert mit seinem Fernsehteam auf der Fulda von Kassel über Wilhelmshausen und der Oberweser über Reinhardshagen nach Bad Karlshafen unterwegs. 
In vier Teilen zeigt die unterhaltsame und teilweise abenteuerliche Reise eine ganz andere Sichtweise der verschiedenen Stationen auf dem Weg zum Ziel. 
Mit im Team ist auch die bekannte Fernsehmoderatorin Simone Kienast.


(Foto: R. Knöpfel)
 

Im Teil 3
spielt Reinhardshagen mit der Eisenhütte, dem Schloss, den Weserflößern und vielen anderen Dingen wohl eine Hauptrolle.

Sendetermine: HR Fernsehen jeweils Dienstags 21.00 Uhr
Teil 1 "Fuldapartie" am 12.06.2012
Teil 2 "Fuldapartie -
Das Schleusendesaster" am 19.06.2012
Teil 3 "Weserpartie -
Von Stromschnellen und Weserflößern" am 26.06.2012
Teil 4 "Weserpartie -
Die beinahe heile Welt am Strom" am 03.07.2012